Wundwasser nach einer Operation – Symptome, Ursachen und Behandlung

Was sollte man zum Thema Wundwasser nach einer Operation wissen? Wundwasser ist ein Sammelbegriff für die während der Wundheilung abgesonderten Körpersubstanzen.

Es fängt bereits mit kleinen Schnittwunden an und hört bei größeren, operativ entstandenen Wunden, bei weiten noch nicht auf, und verursachen das Ausfließen des Wundwassers. Das ist ein wichtiger Schritt für die Reinigung der Wunde, und zwar aus dem inneren heraus.

Die Reinigung der Wunde ist für den Heilungsprozess ungemein wichtig. Während des Ausfließens werden Substanzen transportiert, die für die Heilung der Wunde zuständig sind. In dem Wundsekret sind beispielsweise Fresszellen enthalten, die, wie der Name schon verrät, totes Gewebe entfernen.

Also keine Angst, Wundwasser ist durchaus etwas Nützliches und Gesundes. Daher ist das bloße Ausfließen von Wundwasser an sich nichts Alarmierendes. Einige Wunden werden komplett ohne Wundwasser geheilt.

Es bedeutet aber nicht, dass das Wundwasser komplett ungefährlich ist. Besonders nach größeren Operationen kann das Problem auftreten, dass zu viel Wundwasser ausfließt und damit sogar der Prozess der Heilung behindert wird. Allgemeinen kann man das Wundwasser als dann gefährlich betrachten, wenn es sich tatsächlich im  Körper ansammelt.

So wie es unterschiedliche Ursachen für Wunden gibt, so kann die Zusammensetzung des Wundwassers sowie deren Ursachen variieren.

Dieser Ratgeber geht näher auf die Bildung des Wundwassers, besonders nach einer Operation, ein. Es wird auf mögliche Komplikationen hingewiesen und einige Tipps gegeben, um den Sekretfluss einzudämmen.

Hintergrundwissen zur Bildung von Wundsekret

Wundwasser setzt sich aus weißen Blutkörperchen (Leukozyten), Blutzellen (Monozyten) und Lymphflüssigkeit (Lymphe) zusammen. Diese einzelnen Substanzen machen ein körpereigenes Serum aus, was zur Regeneration von zerstörten Gewebeschichten dient.

Wundwasser beinhaltet Bindegewebsflüssigkeiten, Blutplasma und Proteine, alles essenzielle Bestandteile. Darüber hinaus kann Wundwasser, um es zu vereinfachen, in zwei Arten unterteilt werden:

  • Exsudate – enthält entzündlich bedingte Absonderungen
  • Transsudate – enthält nicht entzündlich bedingte Körperflüssigkeiten

Exsudate haben eine gelbliche Verfärbung. Transsudate sind meist klar, können aber ebenfalls gelb sein. Verfärbungen der beiden Sekretarten sind auf die jeweiligen und variierenden Hauptbestandteile zurückzuführen.

Blutbestandteile wie Eiweiß sowie Glucose und ein erhöhter Anteil an eitrigen Zelltrümmern sind im exsudaten Wundwasser enthalten. Vor allem die eitrigen Zelltrümmer sind für die gelbliche Verfärbung zuständig. Transsudates Wundwasser ist zellarm und enthält eine kleine Menge an Proteinen und Leukozyten.

Exsudation und Transsudation sind die ersten Schritte der Wundheilungsphase. Welches davon tatsächlich zuerst kommt, hängt von dem Fließen der Art des Wundwassers. Mediziner sind aber der Meinung, dass beide Arten beinahe gleichzeitig vorkommen. Egal welche Phase nun fließt, in beiden werden schädliche Fremdkörper und Keime aus der Wunde gespült. Anschließend setzt die Schließung der Wunde mittels Zellneubildung ein.

In dieser Phase entwickeln sich die Monozyten des Wundwassers zu Makrophagen. Diese entfernen die letzten Zellrückstände der Wunde, sodass der Weg für die Fibroblasten des Bindegewebes frei geräumt wird. Die Fibroblasten sind für den Aufbau der neuen Zellmatrix vonnöten. Um das zu bewerkstelligen, brauchen die Fibroblasten ein feuchtes Wundmilieu für die Entwicklung der zellbildenden Fibrozyten.

Damit ist das Wundwasser nicht nur für die Reinigung, sondern auch für die Schließung der Wunde zuständig.

Austritt des Wundwassers nach einer Operation

Besonders in den ersten Tagen der Wundheilung ist eine gewisse Feuchtigkeit durch Wundwasser an verletzten Körperstellen völlig normal und sinnvoll. Operationswunden sind hierfür keine Ausnahme, denn wie bei scheinbar harmlosen Schnittverletzungen stellen sie eine unnatürliche Beschädigung des Körpergewebes dar.

Besonders nach einer Operation kann der Austritt von Wundwasser länger andauern oder gar unnatürlich stark sein. Daher folgen nun einige Beschreibungen der Ursachen und ihre Komplikationen:

  • Große Wunden

Operationswunden verursachen eine temporäre Verletzung, bei der das Weichgewebe langsam heilen. Da gilt für Blutgefäße, Organe oder flüssigkeitsführende Gewebe. Diese Art der Verletzungen führen dazu, dass transsudate wie exsudate Wundsekrete länger fließen als üblich, was zu einer langwierigen Wundheilung führt.

  • Komplexe Wunden

Es ist recht selbsterklärend, dass die oberen Gewebeschichten der Haut bei einer Verletzung erfahrungsgemäß schneller verheilen. Operationswunden brauchen hierfür länger, insbesondere, wenn mehrere Gewebeschichten und gar Organe gezielt geöffnet wurden. Mit so einem Ausmaß ist die Wunde komplexer. Das benötigte Wundwasser ist deshalb umfangreicher und hat eine schwere Aufgabe gegenüber der Wundheilung zu bewältigen. Bei dieser Heilung gilt es die verletzte Oberhautschicht und das tiefer gelegene Gewebe zu regenerieren. Auch hier kann das Wundwasser lange fließen.

  • Sensible Gefäß- und Organwunden

Blutgefäße aus dem Bereich der Beine und des Herzens sind in Sachen Operation recht kompliziert, denn sie unterliegen einem ständigen Blutfluss, der nicht einfach so unterbrochen werden darf, da dieser unter anderem auch für die Wundheilung enorm wichtig ist. Blutpartikel wie Blutplasma fließen nach grober Schließung der Gefäße weiterhin aus der Wunde.

Ähnlich verhält es sich mit Organwunden. Das beste Beispiel sind dabei Lungenoperationen und deren anschließenden Wunden. Hier kann es in den Lungenflügel immer wieder zur Einlagerung von transsudatem Wundwasser kommen.

  • Druckverhältnisse

Es kann auch mal dazu kommen, dass operative Wunden unter einem besonderen Gefäß- und Gewebedruck stehen, sodass es ebenfalls zu einem vermehrten Wundwasserfluß kommt.

  • Wundinfektionen

Bedenklich wird es bei einem nicht enden wollenden Austritt von Wundsekret. Dieser Fall tritt bei vereinigten Wunden auf. Hier verhindert die hohe Keimbelastung eine Neubildung der Zellmatrix, dementsprechend kann sich die Wundheilung nicht vollziehen. Die Folge ist ein beständiger exsudater  Wundwasserfluss, der immer zu eine Neuinfektion der Wunde verursacht. Nicht steriles Operationsbesteck oder unzureichend desinfizierte Wundflächen lassen eine Wundinfektion entstehen. Die Gefahr einer Blutvergiftung (Sepsis) steigt.

Weitere Komplikationen bei der Wundheilung können unter Umständen folgende sein:

  • Alter

Es ist leider so, dass die körperlichen Funktionen und Prozesse mit zunehmendem Alter schlechter werden. Die schlechte Leistung des Körpers setzt bereits ab dem 25. Lebensjahr ein. Die Zellregeneration, die für die Wundheilung wichtig ist, ist hier leider nicht auszuschließen. Bis in die vierziger Lebensjahre wird sich die schlechte Zellregeneration noch nicht bedenklich auswirken, jedoch muss man ab dem 60. Lebensjahr mit diversen Komplikationen der Wundheilung rechnen.

  • Krankheiten

Diverse Krankheiten können die Wundheilung negativ beeinflussen oder gar verhindern aufgrund der entstandenen Komplikationen. So kann Diabetes, Gicht oder Durchblutungsstörung sowie Virusinfektionen den Heilungsprozess massiv beeinträchtigen.

  • Ernährung

Eine schlechte und unausgewogene Ernährung gewährleistet keine vernünftige Versorgung des Körpers. Dabei fehlen dem Körper wichtige und notwendige Vitamine sowie Spurenelemente, um optimal und in höchst Leistung zu funktionieren. Arbeitet der Körper aufgrund der ungesunden Ernährung nicht gut, so wirkt dies logischerweise auf die Wundheilung aus. Dabei ist die Wundheilung besonders bei schweren und komplexen Wunden bedeutsam. Auch der übermäßige Genuss an Nikotin und Alkohol, unter anderem auch der Missbrauch diverser Drogen, beeinträchtigen den Körper in seiner Funktion und somit in der Wundheilung.

  • Psychologische Erkrankungen

Psychologische oder neurologische Erkrankungen, z. B. Demenz, können ebenfalls einen negativen Einfluss auf die Wundheilung haben. Außerdem bildet Vernachlässigung der Hygiene oder Vernachlässigung der optimalen Versorgung der Wunde keine gute Basis für die Wundheilung. Dazu gehört z. B. Verwahrlosung oder ähnliche Erscheinungen bei Kindern und Erwachsenen.

Behandlung bei Austritt von Wundwasser

Inbesondere operative Wunden sollten stets von einem Arzt untersucht werden und bei Bedarf während der Heilung von diesem begleitet werden.

  • Drainagen

Sollte es zu einer heftigen Ansammlung von Wundwasser im Körper kommen, so sind Drainagen eine gute Lösung, um dem entgegenzuwirken. Diese leitet dank der eingeführten Schläuche das Wundwasser nach außen ab. Es gibt unterschiedliche Arten von Drainagen. Welche davon eingesetzt wird, hängt von der Wund an sich und ihrem Sitz ab. Alle Drainagen werden von einem Arzt angeordnet und durchgeführt.

  • Hygiene

Hygiene ist das A und O bei der Wundversorgung. Nicht nur bei der Wunde sollte die Hygiene durchgeführt, sondern auch auf die Sauberkeit des Verbandsmateriales geachtet werden. Die Wunde muss gut gereinigt und vor allem desinfiziert sein. Fremdkörper haben in der Wunde nichts zu suchen und müssen bei Bedarf entfernt werden. Stets bedenken: Eine nicht ausreichende Hygiene fördert Infektionen der Wunde.

  • Schonung und Ruhe

Vor allem bei größeren Wunden muss man auf die Schonung dieser achten, sodass ein möglicher Aufriss der Wunde verhindert und eine entsprechende Komplikation bei der Wundheilung ausgeschlossen wird.  Das fängt bereits damit an, dass man, je nach Sitz der Wunde, entsprechende Bewegungen vermeidet. Bei Heilungs- und Genesungsprozessen tut eine gesunde Portion Ruhe dem Körper gut, sodass er seine Ressourcen in die Heilung und Genesung investieren kann.

Fazit

Der Austritt des Wundwassers bei Operationsverletzungen sowie oberflächlichen Schnittwunden ist unter normalen Umständen sinnvoll für den Körper. Die Sekretbildung ist ein fester Bestandteil der natürlichen Wundheilung und beschleunigt diese sogar. Bei Wundkomplikationen kann die Bildung von Wundflüssigkeit Überhand nehmen und gefährliche Auswirkungen auf den Heilungsprozess haben. Sollte das Wundwasser nach mehreren Tagen immer noch ungehindert fließen oder gar zunehmend eitrige Beimengungen enthalten, ist daher unverzüglich ein Arzt aufzusuchen, um den Sekretfluss ggf. durch eine Drainage in den Griff zu bekommen.

Wundwasser nach einer Operation – Symptome, Ursachen und Behandlung
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