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Nikotinentzug – Verlauf und Entzugserscheinungen

Tabak bzw. Tabakrauch enthält an die 5.000 chemische Substanzen. Nikotin und Teer sind die Hauptinhaltsstoffe des Tabaks. Die Substanz, die letztlich abhängig macht, ist das Nikotin, welches ein starkes Nervengift und gleichzeitig eine Droge ist. Somit hängt nicht nur der Körper vom Nikotin ab, sondern auch die Psyche eines Menschen.

Trotz, dass die Raucher wissen, wie sehr die Abhängigkeit ihnen schadet, stellen sie ihr Wissen in den Hintergrund und geben ihrer Abhängigkeit den Vorzug. Der Grund hierfür liegt in der Angst der Betroffenen vor dem Nikotinentzug und seinen Symptomen.

Über die Jahre hinweg haben sich die sogenannten Nikotinrezeptoren gebildet. Diese werden nicht mehr in einem ausreichenden Maß mit Nikotin versorgt, sobald es zu einem Entzug kommt, wodurch es dann zu den gefürchteten Entzugserscheinungen kommt. In dieser Phase macht der Körper selbstverständlich sowohl physische wie auch psychische belastende Veränderungen durch.

Der Weg zum Nichtraucher und damit zu einem Nikotinunabhängigen mag schwer sein, doch er lohnt sich, denn ein rauchfreies Leben bedeutet eine deutliche und nachhaltige Verbesserung der persönlichen Gesundheitssituation, wodurch man sich psychisch wie auch physisch einfach besser fühlt.

Nikotinsucht

Die Wirkung des Nikotins hat beim Menschen den Effekt ein Entspannungs- und Belohnungsgefühl  auszulösen. Trotz des positiven Gefühls hat das Nikotin gesundheitsschädigende Folgen auf unseren Körper.

Nikotin ist, wie bereits erwähnt, ein Nervengift. Es ist zwar in der Tabakpflanze als natürlicher Bestandteil enthalten, da es die Pflanze vor Insekten schützt, aber in konzentrierter Form ist es extrem giftig bis tödlich.

Über den Rauch gelangt Nikotin ins Blut. Innerhalb von wenigen Sekunden erreicht es das unser Gehirn und heftet sich anschließenden an Rezeptoren, die dazu angeregt werden, Adrenalin, Dopamin und Serotonin freizusetzen. Die genannten Stoffe wirken erquickend, da der Blutdruck steigt und der Herzschlag schneller wird. Hinzukommt die Ausschüttung von Belohnungshormonen, die den Raucher zumindest für eine Weile entspannen.

Sobald die entspannte Wirkung nachlässt, kommt es zu Entzugserscheinungen.

Die Dopaminrezeptoren befinden sich im Nucleus accumbens. Manche Raucher empfinden das Rauchen als leistungssteigernd. Das ist damit zu erklären, dass während des Nikotinabbaus die Entstehung der Nikotinsäure zur Folge hat. Die Nikotinsäure führt zur Gefäßerweiterung, die das Gefühl der geistigen Anregung erweckt.

Das Verlangen nach der nächsten Zigarette wächst, sobald die scheinbar positive Auswirkung abgeklungen ist. Je mehr Nikotin man zu sich nimmt, umso rascher verfliegt die Wirkung.

Die Nikotinaufnahme verursacht mehrere Abläufe im Körper, so wird dieser zugleich angeregt und gehemmt, gestresst und entspannt.

Eiserner Wille ist das A und O

Wer sich also endlich für den Weg eines Nikotinentzuges entschieden hat, muss von Beginn für die ersten Wochen oder gar Monate einen eisernen Willen entwickeln. Im Hinterkopf sollte stets die Tatsache behalten werden, dass die bis dato lieb gewonnen Gewohnheiten nun der Vergangenheit angehören. Nur mit Ruhe und Gelassenheit kann der teils heftig werdende Entzug bewusst werden und sich besser kontrollieren lassen.

Damit zu rechnen, dass ein verlockender Gedanke an eine genussvolle Zigarette im Kopf entsteht, ist klug, aber um diesem entgegenzuwirken, sollte man Alternativen parat halten. Bewährt in diesem Zusammenhang haben sich Aktivitäten wie Sport, Basteln oder Musik. Darüber hinaus unterstützen professionelle Gesprächs- und Beschäftigungstherapien bei der Raucherentwöhnung und dem Nikotinentzug. Selbst die Krankenkassen fördern einige der Maßnahmen zur Entwöhnung. Nähere Fragen hierzu kann sicherlich der eigene Hausarzt beantworten.

Dauer des Nikotinentzuges

In der Regel sind die körperlichen Entzugserscheinungen vom Nikotinentzug nach einigen Wochen ausgestanden, trotz allem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Entzug individuell unterschiedlich ist. Während des Nikotinentzuges wird man sowohl Höhen wie auch Tiefen erleben, dessen sollte man sich bewusst sein.

Bereits innerhalb der ersten drei bis vier Tage baut sich das Nikotin im Körper ab, so dass sich die Endorphine, die zuvor blockiert worden sind, an ihre Arbeit machen können, nämlich sich an den Nervenenden in dem Gehirn anzudocken. Daher wird man eine kurzweilige Zwischenphase des Glücks erleben. Dank diesen ist man bester Laune über den vermeintlichen ersten Sieg gegen das Nikotin. Dieser Zustand hält in etwa zwei bis drei Wochen an.

Leider trifft anschließend das Tief ein, welches von Enttäuschungen geprägt ist. Nach dem Tief folgt die so genannte euphorische Phase, die als eine Falle betrachtet werden kann, denn sie gaukelt eine Überlegenheit gegenüber dem Nikotin vor. Einige, die bereits den Weg des Nikotinentzugs gegangen waren, beschrieben, dass sie sich stark und entschlossen fühlten, gleichzeitig machten sich die altbekannten Raucherrituale sehr stark bemerkbar. In den darauffolgenden Tagen und Monaten kommt es immer wieder zu heftigen Entzugserscheinungen.

Man kann sich aber vorab auf ein neues und beglückendes Körpergefühl freuen, sobald man es geschafft hat. Mit Genugtuung und Stolz kann anschließend festgestellt werden, um wie viel größer die eigene körperliche Leistungsfähigkeit als Nikotinunabhängiger geworden ist, wie sich das Hautbild verbessert und wie die Kurzatmigkeit und der Raucherhusten der endgültigen Vergangenheit angehören.

Wie lange es allerdings dauert, bis man die psychische Abhängigkeit überwunden hat, ist schwer vorherzusagen. Teilweise bis zu Jahre kann es dauern, dass die Sehnsucht nach einer Zigarette verschwindet. Dabei sind Phasen mit großem Stress und seelischer Belastung eine enorme Herausforderung, um während des Nikotinentzuges dem Verlangen nach dem Tabakkonsum nicht zu verfallen.

Art der Begleiterscheinungen und deren Ursache

Die Begleiterscheinungen, die während des Nikotinentzuges auftreten wie Störungen der Konzentration, gesteigerter Appetit, gesteigerte Reizbarkeit sowie Fehler in der Wahrnehmung, starke Schwindel und Kopfschmerzen, stehen in einer engen Verbindung zu einem sich verändernden Blutzuckerspiegel.

Weitere Symptome während des Nikotinentzuges sind:

  • Nervosität
  • Reizbarkeit
  • mürrische bis depressive Stimmung
  • Aggressivität
  • Angst
  • Konzentrationsstörungen
  • Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Hungergefühl
  • Rauchverlangen

Diese Entzugssymptome lassen bereits nach wenigen Tagen nach.

Die psychische Nikotinabhängigkeit ist die harte Nuss, die es gilt, während des Nikotinentzuges zu knacken, da die psychische Abhängigkeit sich länger hält. Das liegt daran, dass die meisten über teilweise Jahrzehnte regelmäßig Tabak konsumierten, erst recht in Situationen, die unangenehm sind, sprich beim Ärger oder Stress. Der Nikotinentzug ruft besonders in schweren Situationen eine extreme Nervosität, bei manchen gar eine Hilfslosigkeit hervor, mit der man zunächst einmal lernen muss umzugehen.

Hinzukommt, dass sich der Stoffwechsel beim Nikotinentzug ebenfalls umstellen muss. Sobald dem Körper kein Nikotin zugeführt wird, verarbeitet der Körper aufgrund der Trägheit Fette und Kohlenhydrate langsamer (da dieser mit Nikotin nicht ständig auf Trab gehalten wird).

Die Zigarette wird meist durch Süßigkeiten ersetzt, sodass es in der Nikotinentwöhnung oft zu einer Gewichtszunahme kommt. Wer also sich dafür entscheidet, mit dem Rauchen aufzuhören und dabei nicht zuzunehmen, der möge darauf achten, dass man eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu sich nimmt und die fehlende Zigarette durch viel Bewegung ersetzt.

Hohe Lebenserwartung ohne Nikotin

Es wird sich auf jeden Fall lohnen, auf den Nikotin zu verzichten, da zum einen mit professioneller Hilfe man mit Sicherheit erfolgreich sein wird, und zum anderen können gesundheitsschädigenden Folgen des Rauchens nach etwa einem Jahrzehnt auf die Stufe eines Nichtrauchers gesenkt werden.

Lässt man zu, dass die negativen Folgen des Nikotins, wie etwa die Verschlechterung der Sauerstoffversorgung des Blutes, Arterienverkalkung und die diversen zuvor genannten Ursachen, Überhand nehmen, so kann wirklich keine hohe und qualitative Lebenserwartung haben. Denn die Ursachen lassen das Krebsrisiko jeglicher Art steigen. Lässt man also den Nikotin weg, so erhöht sich die Lebenserwartung eines Menschen.

Ein Kampf mit sich selbst

Der Nikotinentzug ist nicht nur eine äußerst lange und sehr schwierige Aufgabe, sondern auch eine enorme Herausforderung für sich selbst und den eigenen Körper. Selbst wenn die eigene Abhängigkeit nach dem Nikotin und dem rauchenden Genuss nach einigen Wochen kaum wahrnehmbar ist, so können Entzugserscheinungen nach Jahren immer noch einen auf die harte Probe stellen.

Somit sind Willenskraft, Kontrolle über den eigenen Körper sowie Geduld die wichtigsten Tugenden, die es während dieser Zeit an den Tag zu legen gilt. Es ist wichtig und klug, die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel zu nutzen und das Gespräch mit dem eigenen Hausarzt zu suchen, damit der Verlust des Nikotins nicht allzu schwer fällt.

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