THC-Abbau: Nachweis & Grenzwerte
THC folgt im Körper anderen Regeln als Alkohol oder Nikotin. Der Wirkstoff wird nicht einfach „verbrannt“, sondern verteilt, gespeichert und langsam wieder freigesetzt. Genau diese pharmakokinetischen Besonderheiten erklären, warum Cannabis oft noch lange nach dem letzten Konsum nachweisbar ist. Klinische Pharmakokinetik-Studien, rechtsmedizinische Publikationen und behördliche Richtlinien zeigen: Ein positiver Test sagt viel über den Stoffwechsel aus, aber nicht immer etwas über akute Beeinträchtigung. Dieser Artikel erklärt den THC-Abbau Schritt für Schritt und ordnet ihn rechtlich ein.

Das Wichtigste in Kürze
- THC ist stark fettlöslich und wird im Fettgewebe gespeichert.
- Der Blutspiegel fällt schnell, obwohl THC im Körper verbleibt.
- In der Leber entstehen die Metaboliten 11-OH-THC und THC-COOH.
- Die Nachweisbarkeit hängt stark von Konsumhäufigkeit und Körperfett ab.
- Der neue Grenzwert von 3,5 ng/ml ist rechtlich relevant, aber biologisch komplex.
Wie lange bleibt THC im Körper nachweisbar?
THC kann je nach Testmethode und Konsumverhalten zwischen wenigen Stunden (Blut) und mehreren Wochen oder Monaten (Urin, Haare) nachweisbar sein. Ursache ist die Speicherung im Fettgewebe und die langsame Rückverteilung ins Blut.
Pharmakokinetische Besonderheiten von THC
THC unterscheidet sich grundlegend von wasserlöslichen Substanzen. Es ist hochgradig lipophil und verteilt sich nach dem Konsum sehr schnell im Körper. Bereits kurz nach dem Rauchen sinkt der Blutwert stark ab. Das bedeutet jedoch keinen schnellen Abbau. Stattdessen wandert THC in gut durchblutete Organe und anschließend ins Fettgewebe. Dort bleibt es gespeichert. Dieser Effekt erklärt, warum Bluttests oft nur ein kurzes Zeitfenster erfassen, während andere Tests deutlich länger positiv bleiben.
Die drei Phasen des THC-Abbaus
Der Abbau von THC verläuft in drei klar unterscheidbaren Phasen. Zuerst kommt die Distribution. Dabei verlässt THC das Blut und lagert sich im Fettgewebe ein. Danach folgt die metabolische Phase in der Leber. Hier wird THC chemisch umgewandelt. Die letzte Phase ist die terminale Elimination. Sie ist besonders lang, weil THC aus den Fettdepots langsam zurück ins Blut abgegeben wird. Diese sogenannte Reverse Distribution ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Sie erklärt verlängerte Halbwertszeiten bei regelmäßigem Konsum.
Warum Fettzellen THC speichern: Das Geheimnis der Nachweisdauer
THC liebt Fett. Genau das macht es problematisch für Drogentests. Nach dem Konsum „flieht“ der Wirkstoff regelrecht aus dem Blut in die Fettzellen. Dort wird er nicht inaktiv, sondern gespeichert. Über Tage oder Wochen gelangt immer wieder eine kleine Menge zurück ins Blut. Dieser Prozess verlangsamt den Abbau erheblich. Menschen mit höherem Körperfettanteil haben daher oft längere Nachweiszeiten. Auch Gewichtsabnahme kann kurzfristig zu steigenden THC-Werten führen, weil Fett abgebaut wird und gespeichertes THC freisetzt.
Metabolismus in der Leber: Von THC zu THC-COOH
Die Leber ist das zentrale Abbauorgan. Hier kommt das Enzym CYP2C9 ins Spiel. Es wandelt THC zunächst in 11-Hydroxy-THC um. Dieser Metabolit ist ebenfalls psychoaktiv und kann die Wirkung sogar verstärken. Im nächsten Schritt entsteht THC-Carbonsäure (THC-COOH). Dieser Stoff ist nicht mehr berauschend, bleibt aber sehr lange im Körper. Genau deshalb zielen Urintests fast immer auf THC-COOH ab. Ein positiver Befund zeigt also vergangene Aufnahme, nicht zwingend aktuelle Wirkung.
Die Rolle der Leberenzyme: Warum manche Menschen THC langsamer abbauen
Nicht jeder baut THC gleich schnell ab. Genetische Unterschiede im Enzym CYP2C9 spielen eine große Rolle. Manche Menschen haben Varianten dieses Enzyms, die langsamer arbeiten. Das führt zu höheren Blutwerten und längeren Nachweiszeiten. Auch Medikamente können den Abbau beeinflussen. Bestimmte Wirkstoffe hemmen CYP2C9 und verzögern die Umwandlung von THC. Deshalb sind pauschale Aussagen zur Nachweisdauer immer ungenau. Der individuelle Stoffwechsel ist entscheidend.
Blut vs. Urin: Was Tests wirklich aussagen
Blut- und Urintests messen unterschiedliche Dinge. Im Blut wird aktives THC bestimmt. Dieses ist meist nur wenige Stunden nachweisbar. Im Urin wird THC-COOH gemessen. Dieser Metabolit kann Wochen später noch auftauchen. Deshalb gilt: Ein Urintest sagt nichts über aktuelle Fahrtüchtigkeit aus. Bluttests sind dafür besser geeignet, haben aber ein sehr enges Zeitfenster. Genau hier entstehen viele Missverständnisse in der rechtlichen Bewertung.
| Medium | Einmaliger Konsum | Regelmäßiger Konsum |
|---|---|---|
| Blut (aktiv) | 4–24 Stunden | Mehrere Tage |
| Urin (THC-COOH) | 2–4 Tage | 4–12 Wochen |
| Haare | Kaum nachweisbar | Mehrere Monate (1 cm/Monat) |
Sport und Fasten: Können THC-Werte kurzzeitig steigen?
Sport und Fasten fördern die Fettverbrennung. Das kann kurzfristig zu einem Anstieg der THC-Konzentration im Blut führen. Der Grund ist simpel. Fettzellen geben gespeichertes THC frei. Studien zeigen zwar keine massiven Peaks, aber messbare Effekte. Für Drogentests kann das relevant sein. Besonders bei regelmäßigem Konsum ist dieser Effekt zu berücksichtigen. Er widerlegt die Annahme, dass „Entgiften“ den Abbau beschleunigt.
Neuer Grenzwert 3,5 ng/ml: Was Autofahrer wissen müssen
Der neue Grenzwert von 3,5 ng/ml bezieht sich auf aktives THC im Blut. Er soll eine bessere Trennung zwischen Restwerten und aktueller Beeinträchtigung schaffen. Biologisch bleibt die Sache komplex. Durch Reverse Distribution können auch Tage nach dem Konsum noch Werte messbar sein. Rechtsmedizinische Fachliteratur betont deshalb: Ein positiver THC-Nachweis beweist nicht zwingend aktuellen Konsum. Für Autofahrer bedeutet das, dass Zeit allein kein verlässlicher Schutz ist.
Fazit
THC verschwindet nicht einfach. Es verteilt sich, wird gespeichert und langsam wieder freigesetzt. Genau das macht die Nachweisbarkeit so lang und rechtlich heikel. Wer die Mechanismen kennt, versteht auch die Grenzen von Tests und Grenzwerten. Der neue 3,5-ng/ml-Wert ist ein Fortschritt, ersetzt aber kein Verständnis für den THC-Stoffwechsel. Wissen schützt hier besser als Mythen.
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