Darmverschlingung – Entstehung und Behandlung von Volvulus

Sämtliche Lebensmittelbestandteile werden im Darm zersetzt, verwertet und ausgeschieden. Die Mineral- und Nährstoffversorgung des Organismus ist von einer guten Funktionalität des Darms abhängig. Aufgrund einer Darmverschlingung kann es jedoch zu Funktionsstörungen kommen. Im schlimmsten Fall kann das sogar lebensgefährlich werden – es droht Darmverschluss. Dieser Ratgeber klärt auf über Ursachen und Therapieansätze bei einer Darmverschlingung.

So entsteht eine Darmverschlingung (Vovolus)

Der Darm besteht aus unterschiedlichen Abschnitten mit ebenso unterschiedlichen Aufgabenbereichen. Zum besseren Verständnis seien hier Aufbau und Funktion des Verdauungstraktes kurz erklärt – in seiner gesamten Länge:

Nach dem Herunterschlucken landet die Nahrung im Magen, von wo aus sie in den bis zu sechs Meter langen Dünndarm (Instestinum tenue) gelangt. Dieser setzt sich aus drei Teilen zusammen: Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum). Der Dünndarm ist für die Zersetzung des Nahrungsbreis zuständig.

Enzyme, die sich bereits im Dünndarm befinden, helfen bei der Aufspaltung. Mittels reichlich Flüssigkeit, die im Laufe des Tages zugeführt werden sollte, wird der Nahrungsbrei aufgeweicht, was den reibungslosen Ablauf der Zersetzung sichert. Am Ende dieser Passage wandern Vitamine, Mineralien und Spurenelemente aus der Nahrung im Blutkreislauf, von wo aus sie mit Hilfe des Blutes an die bedürftigen Stellen des Organismus transportiert werden.

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Direkt an den Dünndarm schließt sich der Dickdarm (Intestinum crassum) an. Sein Durchmesser übersteigt den des Dünndarms, die Länge jedoch liegt bei max. 1,5 m. Dieser Darmabschnitt ist zuständig für die Ausscheidung von nicht verwertbaren Nahrungsbestandteilen (Ballaststoffe). Doch ungefiltert bleibt der Nahrungsbrei in diesem Bereich nicht. Ein letztes Mal werden verwertbare Stoffe entzogen, bevor die Reste in den Mastdarm (Rektum) gelangen.

Nun kann es geschehen, dass sich bestimmte Darmabschnitte ineinander verschlingen und verknoten, dann spricht man von einer Darmverschlingung (Vovulus). Die Darmtätigkeit kann an der betroffenen Stelle nicht fortgesetzt werden.

Die möglichen Folgen: Darmverschluss, Verstopfung, Bauchschmerzen. Wird die Darmverschlingung nicht schnell genug erkannt und behandelt, kann es zu dauerhaften Schäden kommen, da Blut und Nahrung nicht weiter passieren können. Im schlimmsten Fall stirbt der betroffene Darmabschnitt ab – es droht Lebensgefahr!

Die vielen Darmschlingen können sich aufgrund ihrer Krümmungen und Wölbungen leicht ineinander verheddern. Besonders schnell betroffen sind Kinder, deren Darmbestandteile noch weich und anfällig sind. Daher tritt ein Volvulus vorwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern auf. Grundsätzlich lassen sich Darmverschlingungen in zwei Formen aufteilen:

Die Achsendrehung

Hierbei verdreht sich die betroffene Darmschlinge um die eigene Achse. Im schlimmsten Fall legt sie sich vollkommen verdreht um eine weitere Windung und stoppt deren Blutzufuhr. Diese Form kann sowohl im Dünn-, als auch im Dickdarm auftreten.

Die Invagination

Bei dieser Form der Darmverschlingung ist nichts verdreht, doch stülpt sich ein Stück des Darms in ein anderes hinein. Das blockiert die Darmwände und verursacht einen Blutstau sowie Schwellungen. Diese Art der Darmverschlingung ist überwiegend dem Dünndarm vorbehalten.

Gefahr in beiden Fällen

Beide Variationen können zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss führen. Warum eine Darmverschlingung so gefährlich ist, erklärt vielleicht die Tatsache, dass umliegende Organe mit Hilfe des Blutes nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden können und auch der Nahrungsbrei einem Stau ausgesetzt ist.

Die Gründe für eine Darmverschlingung

Für eine Darmverschlingung gibt es mehrere Ursachen. Schon vorgeburtlich ergibt sich eine erste Möglichkeit. Man nennt sie die vorgeburtliche Malrotation.

Vorgeburtliche Malrotation

Bei der Entwicklung des Ungeborenen im Verlauf der Schwangerschaft kann sich der Darm in die Nabelschnur hineinschieben. Er entwickelt sich zwar weiter zu seiner vollen Länge und verlagert sich dann in den Bauchraum des Kindes zurück. Hierbei kann es jedoch zu einer falschen Positionierung der Darmschlingen – Malrotation genannt – in der Bauchhöhle kommen. Sie liegen vollkommen verdreht und provozieren einen Volvulus.

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Darmentzündung

Entzündetes Darmgewebe kann seine stabile Lage im Bauchraum verlieren. So kommt es zu Verdrehungen und Verschlingungen. Eine Darmentzündung wird durch Bakterien oder durch Abwehrreaktionen des im Darm befindlichen Immunsystems verursacht.

Darmkarzinom

Ein Darmkarzinom kann schnell wachsen und zu Verstopfungen und Darmverschlingungen bis hin zu Darmverschlüssen führen. Das Wachstum hemmt den Transport des Nahrungsbreis und stört die Durchblutung der Darmwände. Hier hilft als letzte Maßnahme nur noch ein chirurgischer Eingriff.

Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose

In diesem Fall ist es eine Stoffwechselerkrankung, die das gebremste Vorwärtskommen des Nahrungsbreis verursacht. Infolgedessen kommt es zu Verstopfungen. In einem Darmabschnitt staut sich der Brei, während andere Darmabschnitte wie leergefegt sind.

Für eine mögliche Darmverschlingung ein gefährlicher Bewegungsspielraum. Eine weitere Option ist, dass sich obenliegende Darmteile über den verstopften Abschnitt stülpen. In jedem Fall droht ebenfalls der lebensgefährliche Darmverschluss.

Therapiemaßnahmen bei Darmverschlingung

Bauchschmerzen, Blähungen, Druckschmerzen im Oberbauch und Aufstoßen sind klassische Begleiterscheinungen bei vielen Magen-Darm-Beschwerden. Daher wird auch zunächst nicht von einer Darmverschlingung ausgegangen. Doch beim Erbrechen von Galle und/oder Kot sieht die Sache schon anders aus.

Schnell erhärtet sich der Verdacht auf Volvulus, was erst durch ein Röntgenbild oder Ultraschall Bestätigung findet. Schwerwiegende Symptome erfordern schnelles Handeln: beim Erbrechen von Kot ist eine sofortige Notoperation angesagt, in dessen Verlauf dann die Diagnose gestellt wird. Doch es gibt noch andere Möglichkeiten, einen Volvulus zu behandeln:

Chirurgie

Der Darm wird in seine ursprüngliche Lage zurückversetzt und fixiert. Liegt möglicherweise ein Verschluss vor, wird die Blockade beseitigt. Bei einem Darmkrebs können befallene Darmteile unter Umständen auch entfernt werden. Doch ein chirurgischer Eingriff ist immer die letzte Möglichkeit, eine Darmverschlingung zu beseitigen. Allerdings ist es die einzige Option, wenn Symptome wie Koterbrechen vorliegen.

Eingriff der Chirugie bei Damrverschlingung
Eingriff der Chirugie bei Damrverschlingung

Medikation

Ein sogenannter funktioneller Darmverschluss als Folge einer Darmverschlingung liegt dann vor, wenn die Muskulatur des Darms aufgrund der Verschlingung stark eingeschränkt oder gar gelähmt ist. Medikamente mit Wirkstoffen wie Hämarginat, Cannabinoid-Antagonisten und Neostigmin sind hier die Mittel der Wahl.

Lebensweise

Vorsorglich und therapeutisch ist eine verdauungsfreundliche Ernährung die angesagte Behandlung. Voraussetzung sind reichlich Mineral- und Nährstoffe, aber auch Ballaststoffe und ausreichend Flüssigkeit. So bleibt der Darm gesund und hält seine Position. Verschlingungen haben keine Chance.

Auf ein Wort

Suchen Sie den Arzt auf, wenn Sie unter krampfartigen Bauchschmerzen leiden, Galle oder Kot erbrechen, blutigen Stuhlgang ausmachen, der Stuhlgang völlig ausbleibt, wenn Ihr Unterbauch eingefallen aussieht oder sie eines dieser Symptome bei einem Säugling oder Kleinkind entdecken. Ziel sollte stets die schnelle Beseitigung eines Volvulus sein, wobei ein chirurgischer Eingriff manchmal das Mittel ist, das ein Leben rettet. Vorbeugen lässt sich mit einer ausgewogenen Lebensweise mit gesunder Ernährung.

Darmverschlingung – Entstehung und Behandlung von Volvulus
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