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eGFR: Nierenfunktion, Stadien und Grenzen des Schätzwerts

Die eGFR schätzt, wie gut die Nieren das Blut filtern. Sie wird meist aus Kreatinin, Cystatin C oder beiden Markern berechnet. Für die Beurteilung einer chronischen Nierenerkrankung zählen zusätzlich Dauer, Ursache und Albuminausscheidung im Urin.

eGFR: Nierenfunktion, Stadien und Grenzen des Schätzwerts
eGFR: Nierenfunktion, Stadien und Grenzen des Schätzwerts

Was bedeutet ml/min/1,73 m²?

Die Angabe beschreibt die geschätzte Filtration pro Minute, bezogen auf eine standardisierte Körperoberfläche von 1,73 m². Das erleichtert Vergleiche. Für bestimmte Medikamentendosierungen kann jedoch eine andere, an Körpergröße und Gewicht angepasste Größe erforderlich sein.

Das „e“ steht für estimated, also geschätzt. Kleine Unterschiede zwischen zwei Messungen können durch biologische Schwankungen oder Messunsicherheit entstehen. Ein Wechsel der Berechnungsformel kann die Zahl ebenfalls verändern, ohne dass sich die Niere entsprechend verändert hat.

Die GFR-Kategorien im Überblick

Kategorie eGFR in ml/min/1,73 m²
G1 90 oder höher
G2 60–89
G3a 45–59
G3b 30–44
G4 15–29
G5 Unter 15

G1 oder G2 allein bedeutet keine chronische Nierenerkrankung. Dafür müssen zusätzliche Zeichen einer Nierenschädigung vorliegen. Auch die übrigen Kategorien werden erst mit Dauer und Gesamtsituation zur Diagnose eingeordnet.

Ab wann ist eine Einschränkung chronisch?

Eine eGFR unter 60 oder andere Zeichen einer Nierenschädigung müssen für die Einordnung als chronische Nierenerkrankung grundsätzlich mindestens drei Monate bestehen. Ein einzelner auffälliger Wert kann auch eine akute Veränderung oder vorübergehende Situation widerspiegeln.

Das bedeutet nicht, dass man bei einer plötzlichen Verschlechterung drei Monate warten soll. Ein akuter Abfall wird zeitnah abgeklärt. Vorbefunde helfen zu unterscheiden, ob die Einschränkung neu ist oder länger besteht.

Warum Albumin im Urin dazugehört

Eine erhöhte Albuminausscheidung kann bereits auf einen Schaden hinweisen, obwohl die Filterleistung noch erhalten ist. Umgekehrt kann eine erniedrigte eGFR ohne erhöhte Albuminausscheidung vorliegen. Beide Größen werden für Risiko und Behandlungsplanung gemeinsam genutzt.

Zur Ursachenprüfung gehören außerdem Blutdruck, Diabetes, Medikamente und gegebenenfalls Ultraschall. Nicht jede niedrigere eGFR entwickelt sich gleich schnell weiter. Verlauf und Begleitbefunde sind wichtiger als eine einzelne Stadienbezeichnung.

Wann die Schätzung weniger zuverlässig ist

Bei ungewöhnlicher Muskelmasse kann Kreatinin eine ungenaue Grundlage sein. Cystatin C oder eine kombinierte Berechnung können dann helfen. Bei rasch veränderter Nierenfunktion, etwa in einer akuten Erkrankung, bilden übliche Schätzformeln die aktuelle Filtration ebenfalls nur begrenzt ab.

Fragen Sie bei Medikamenten ausdrücklich, welche Nierenfunktionsgröße für die Dosierung gilt. Änderungen an Herz-, Blutdruck- oder Diabetesmitteln sollten abgestimmt werden; ein kleiner anfänglicher eGFR-Abfall unter bestimmten Therapien ist nicht automatisch ein Grund zum Absetzen.

Was nach einem niedrigen Wert sinnvoll ist

Vereinbaren Sie Kontrollzeitpunkt, Urinuntersuchung und eine Prüfung möglicher Ursachen. Vermeiden Sie eigenständige Entwässerungs- oder „Nierenreinigungs“-Kuren. Bei stark verringerter Urinmenge, Atemnot, ausgeprägter Schwäche oder einer raschen Verschlechterung ist sofortige medizinische Beurteilung erforderlich.

Weitere Grundlagen zu diesem Themenbereich: Cystatin C: Wann der zusätzliche Nierenwert hilfreich ist.

Häufige Fragen

Bedeutet eGFR 75 eine Nierenkrankheit?

Nicht allein. Alter, Verlauf und zusätzliche Schäden wie anhaltende Albuminurie sind entscheidend.

Kann eGFR wieder steigen?

Ja, etwa wenn eine vorübergehende Ursache behoben wird. Ob eine dauerhafte Schädigung vorliegt, zeigt die weitere Abklärung.

Muss man bei G5 sofort zur Dialyse?

Die Entscheidung hängt neben der Filtration von Symptomen, Komplikationen und Gesamtsituation ab und wird nephrologisch getroffen.

Quellen

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