Chondrokalzinose (Pseudogicht): Ursachen, Diagnose und Therapie
Was genau tun gegen Pseudogicht?
Bei der Chondrokalzinose sind ebenso wie bei der Gicht Ablagerungen in den Gelenken zu finden. Es kann aber auch die Gelenkinnenhaut, die Sehnen, Bänder, die Menisken als auch die Bandscheiben betroffen sein.
Die Chondrokalzinose wird häufig zusammen mit der Gicht, bestimmten Bluterkrankungen sowie Überfunktionen der Nebenschilddrüse beobachtet. Oft gibt es auch Zusammenhänge zwischen der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sowie Erkrankungen der Nieren.
Die Pseudogicht kommt besonders im mittleren und höheren Lebensalter vor. Die eigentliche Ursache ist nicht bekannt. Man vermutet lokale (örtliche) Stoffwechselstörungen. Die Chondrokalzinose kommt in bestimmten Familien häufiger vor.
Bei der Chondrokalzinose kommt es zu Knorpelverkalkungen, die zu einer Arthrose (Verschleiß) von Gelenken führt oder aber auch akute Reizerscheinungen an den Gelenken hervorrufen kann, wenn die Kristalle in ein Gelenk einbrechen.
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Bei der Untersuchung unterscheidet man 4 Formen der Chondrokalzinose:
- Die akute Form (Pseudo – Gicht)
Diese ähnelt einem Gichtanfall. Häufig sind ein oder mehrere Gelenke betroffen. Am häufigsten kommt die Chondrokalzinose am Kniegelenk vor, es folgen die Sprung-, Hand-, Ellenbogen-, Hüft- und Schultergelenke. In der Regel bildet sich die Pseudo -Gicht aufgrund einer Chondrokalzinose spontan zurück.
- Subakute (nicht plötzlich auftretende) Gelenkschmerzen
Hier kann es zu immer wieder auftretenden Schüben kommen, die über Wochen bis Monate anhalten.
- Die chronische Form der Pseudogicht
Hier treten häufig Gelenkschmerzen auf. Es handelt sich hierbei um den häufigsten Verlauf (bei ca. 50 % der Fälle).
- Die destruierende (zerstörerische) Form der Chondrokalzinose
Dies ist bei ca. 20 % der Fälle möglich. Innerhalb von Monaten können die Gelenke destruiert (zerstört) werden.
Bei der klinischen Untersuchung finden sich je nach Form der Chondrokalzinose starke Beschwerden im Bereich der Gelenke. Es kann zu Störungen des Allgemeinbefindens mit Appetitlosigkeit, Krankheitsgefühl mit Fieber oder nur leicht erhöhten Temperaturen kommen.
Der untersuchende Arzt wird nach einer ausführlichen Befragung und körperlichen Untersuchung ein Röntgenbild des betreffenden Gelenkes oder der Gelenke durchführen. Dort findet man häufig punkt- oder bandförmige Kalkniederschläge. Auf den Menisci der Kniegelenke finden sich Verkalkungen. Oft sind auch Verkalkungen an den Bandscheiben erkennbar.
Diese Verkalkungen können sich nicht wieder zurückbilden.
Bei der Blutuntersuchung zeigt sich die Blutsenkungsgeschwindigkeit oft erhöht, die weißen Blutkörperchen sind bei einem akuten Anfall der Pseudogicht erhöht. Ggf. wird noch eine Punktion des Gelenkes notwendig. Dort findet man dann bestimmte Kalkablagerungen (Kalziumpyrophospatkristalle). Diese sind beweisend für die Chondrokalzinose.
Die Chondrokalzinose muss unterschieden werden von der Gicht, der chronischen Polyarthritis (Rheuma) sowie von aktivierten Verschleißerkrankungen.
Therapie der Chondrokalzinose
Die Behandlung der Chondrokalzinose kann lediglich symptomatisch erfolgen.
Es können antirheumatische Mittel zur Schmerzlinderung, Reizminderung und Abschwellung gegeben werden. Evtl. wird Ihr Arzt nach Punktion eines Gelenkergusses ein Cortison-Präparat in das betroffene Gelenk spritzen. Dies erfolgt erst nach ausführlicher Beratung durch den behandelnden Arzt.
Oft helfen auch physikalische Maßnahmen. Hier werden schmerzlindernde Elektrotherapien als auch die Kryotherapie (= Kältebehandlung) eingesetzt.
Bei den chronischen Formen erfolgt die Behandlung analog der Verschleißerkrankungen.
Im Vordergrund steht hier wieder die krankengymnastische Einzelbehandlung, um die Gelenke zunächst zu entlasten und später einen gezielten Muskelaufbau durchzuführen. Zusammen mit der Ergotherapie wird in Einzeltherapie und Gruppenbehandlungen die Erlernung eines gelenkschonenden und –schützenden Verhaltens im Vordergrund stehen.
Sollte noch zusätzlich ein Übergewicht bestehen, kann dies durch eine gezielte Ernährungsberatung als auch durch entsprechende Ernährungsformen reduziert werden. Dies bringt eine gute Entlastung der betroffenen Gelenke.
In der Sporttherapie können geeignete Sportarten zur Gelenkschonung ausprobiert werden. Hier käme z. B. außer Schwimmen das Stick-Walking unter Benutzung von Teleskopstöcken in Frage. Unseren Patienten soll die Freude an sportlichen Betätigungen wieder gegeben werden.
Im Bewegungsbad kann eine gute Entlastung erreicht werden.
Oft kann der Orthopädie-Techniker durch entsprechendes Schuhwerk eine Entlastung der betroffenen Gelenke bei Pseudogicht erreichen. Hier kommen z. B. stoßdämpfende Absätze (Pufferabsätze) oder auch Änderungen im Bereich der Schuhsohle z.B. als Gel Einlegesohle in Frage.
Quellen und weiterführende Informationen
Medizinisch eingeordnet
- Chondrokalzinose entsteht durch Kalziumpyrophosphat-Kristalle, nicht durch Harnsäure.
- Ein plötzlich heißes Gelenk muss auch auf eine bakterielle Infektion geprüft werden.
- Kristalle in Gelenkflüssigkeit sichern die Diagnose zuverlässiger als ein Röntgenbild allein.
- Behandelt wird die Entzündung; vorhandene Kristallablagerungen lassen sich derzeit nicht einfach auflösen.
Pseudogicht betrifft häufig Knie, Handgelenk, Schulter oder Sprunggelenk. Der Anfall kann über Stunden entstehen und deutlich länger dauern als ein klassischer Gichtanfall. Zwischen akuten Episoden sind manche Menschen beschwerdefrei, andere entwickeln chronische arthroseähnliche Schmerzen.
Röntgen oder Ultraschall können Verkalkungen zeigen. Eine Chondrokalzinose im Bild beweist jedoch nicht automatisch, dass aktuelle Schmerzen von den Kristallen stammen. Bei unklarem heißem Gelenk ist die Punktion wichtig, weil Kristalle und Bakterien gleichzeitig vorkommen können.
Bei jüngeren Betroffenen oder ungewöhnlich ausgeprägter Erkrankung prüft die Praxis mögliche Stoffwechselursachen, etwa Störungen von Kalzium, Magnesium, Eisenstoffwechsel oder Nebenschilddrüse.
Beschwerden richtig einordnen
| Beobachtung | Mögliche Bedeutung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Plötzlich heiß, rot und stark schmerzhaft | Akuter CPP-Kristallanfall oder Gelenkinfektion | Noch am selben Tag ärztlich untersuchen |
| Verkalkung im Röntgen ohne Beschwerden | Zufallsbefund möglich | Keine Therapie nur wegen des Bildes |
| Wiederkehrende Knie- oder Handgelenkattacken | CPPD wahrscheinlich | Rheumatologische Abklärung und Anfallplan |
- Fieber, Schüttelfrost oder starkes Krankheitsgefühl zusammen mit Gelenkschwellung.
- Künstliches Gelenk, Immunschwäche oder kürzliche Operation bei akutem Schmerz.
- Rasch zunehmende Rötung oder Unfähigkeit, das Gelenk zu belasten.
Was bis zur Abklärung sinnvoll ist
- Gelenk während des Anfalls entlasten und kurz kühlen.
- Medikamente nur passend zu Nieren, Magen, Herz und Wechselwirkungen wählen.
- Frühere Befunde und eine vollständige Medikamentenliste zum Termin mitnehmen.
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Verlässliche Quellen
Häufige Fragen
Ist Chondrokalzinose dasselbe wie Gicht?
Nein. Bei Chondrokalzinose lagern sich Kalziumpyrophosphat-Kristalle ab; Gicht wird durch Uratkristalle verursacht. Symptome können sehr ähnlich sein.
Kann Pseudogicht im Blut erkannt werden?
Es gibt keinen einzelnen Blutwert, der den Anfall sicher beweist. Bluttests helfen bei Entzündung und Stoffwechselursachen; entscheidend kann die Analyse der Gelenkflüssigkeit sein.
Müssen Verkalkungen behandelt werden?
Beschwerdefreie Verkalkungen benötigen meist keine Therapie. Behandelt werden akute Entzündung, Schmerzen und relevante Grunderkrankungen.
Welche Medikamente helfen im Anfall?
Je nach Person kommen NSAR, Colchicin oder Kortikosteroide infrage. Die Auswahl hängt von Alter, Organfunktion, anderen Medikamenten und dem Ausschluss einer Infektion ab.
