Erythrozyten: erhöhte und niedrige Werte verstehen
Erythrozyten sind rote Blutkörperchen. Ihre Anzahl beschreibt, wie viele dieser Zellen sich in einem bestimmten Blutvolumen befinden. Ein zu niedriger oder hoher Wert kann verschiedene Ursachen haben. Für die Einordnung braucht es vor allem Hämoglobin, Hämatokrit und die Größe der roten Blutkörperchen.
Aufgabe und Bestimmung der roten Blutkörperchen
Erythrozyten entstehen im Knochenmark und enthalten den Blutfarbstoff Hämoglobin. Dieser transportiert Sauerstoff. Die Zellzahl gehört zum kleinen Blutbild und wird aus einer Blutprobe bestimmt, beispielsweise bei Müdigkeit, Blässe, Luftnot unter Belastung oder zur Kontrolle einer bekannten Erkrankung.
Zellzahl und Hämoglobinmenge sind nicht dasselbe: Viele kleine, hämoglobinarme Zellen können eine andere Versorgung bedeuten als dieselbe Anzahl normal großer Zellen. Ob eine Anämie vorliegt, beurteilt man insbesondere anhand der Hämoglobinkonzentration und des passenden Referenz- beziehungsweise Diagnosebereichs.
Welche Referenzwerte gelten?
| Erwachsene | Orientierungsbereich |
|---|---|
| Frauen | 4,1–5,1 Millionen/µl |
| Männer | 4,5–5,9 Millionen/µl |
| Alternative Einheit | 10¹²/l; gleiche Zahlenwerte |
Die Bereiche stammen aus der IQWiG-Laborinformation und dienen der Orientierung. Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund. Alter, Schwangerschaft und weitere Umstände können die Bewertung verändern.
Erythrozyten zu niedrig: mögliche Ursachen
Eine verminderte Zahl kann durch Blutverlust, eine eingeschränkte Blutbildung oder einen verstärkten Abbau entstehen. Eisen- und Vitaminmangel sind mögliche Erklärungen, aber nicht die einzigen. Auch Nierenerkrankungen und Erkrankungen des Knochenmarks können relevant sein. Mehr Flüssigkeit im Kreislauf kann die gemessene Konzentration ebenfalls senken.
Zur Unterscheidung helfen Fragen nach stärkeren Monatsblutungen, sichtbaren Blutverlusten, Ernährung, Vorerkrankungen und Medikamenten. Eisenpräparate auf Verdacht können die Suche nach der eigentlichen Ursache erschweren. Bei bestätigtem Eisenmangel muss gegebenenfalls auch geklärt werden, warum Eisen verloren geht oder nicht ausreichend aufgenommen wird.
Erythrozyten erhöht: Zellzahl oder Flüssigkeitsmangel?
Bei Flüssigkeitsmangel befindet sich weniger Plasma zwischen den Blutzellen. Dadurch kann die Zellzahl pro Mikroliter erhöht erscheinen, ohne dass der Körper insgesamt mehr Erythrozyten hergestellt hat. Eine echte Mehrbildung ist unter anderem bei länger bestehendem Sauerstoffmangel möglich, etwa im Zusammenhang mit bestimmten Lungenkrankheiten oder Schlafapnoe.
Bleibt die Zahl erhöht, können weitere Untersuchungen nötig sein. Seltene Erkrankungen wie Polycythaemia vera werden nicht aus einem einzelnen erhöhten Befund diagnostiziert. Auch Höhenaufenthalt, Rauchen oder die Anwendung bestimmter Hormone gehören in die Krankengeschichte.
Welche Begleitwerte sind besonders hilfreich?
Hämoglobin zeigt die Blutfarbstoffkonzentration, Hämatokrit den Volumenanteil der roten Zellen und MCV ihre mittlere Größe. Retikulozyten geben Hinweise auf die aktuelle Nachproduktion. Ferritin, Transferrinsättigung und Vitaminwerte werden nach Fragestellung ergänzt.
Ein niedriges Hämoglobin zusammen mit kleinen Erythrozyten lenkt die Abklärung beispielsweise in eine andere Richtung als eine Anämie mit großen Zellen. Normale Zellgröße schließt eine Anämie nicht aus. Der gesamte Befund ist hilfreicher als das isolierte rote Warnsymbol im Laborbericht.
Vorbereitung und ärztliche Abklärung
Für die Zellzählung allein ist normalerweise keine besondere Vorbereitung nötig. Werden weitere Tests kombiniert, können andere Vorgaben gelten. Trinken Sie entsprechend den Anweisungen der Praxis; versuchen Sie nicht, den Messwert durch ungewöhnlich große Trinkmengen zu verändern.
Neue Luftnot, Brustschmerz, Ohnmacht oder eine starke Blutung erfordern sofortige Abklärung. Bei einer geringeren Abweichung ohne Beschwerden ist eine reguläre Besprechung mit Vorwerten sinnvoll. Die Praxis entscheidet, ob eine Kontrolle oder eine gezielte Zusatzuntersuchung den nächsten Schritt darstellt.
Häufige Fragen
Sind niedrige Erythrozyten immer Eisenmangel?
Nein. Blutverlust, Vitaminmangel, Nierenerkrankungen und andere Ursachen kommen ebenfalls infrage. Eisenmangel wird mit weiteren Befunden überprüft.
Was bedeutet RBC?
RBC steht für red blood cells, also rote Blutkörperchen. Auf englischsprachigen Befunden bezeichnet es die Erythrozytenzahl.
Kann die Zellzahl normal und Hämoglobin niedrig sein?
Ja. Anzahl, Größe und Hämoglobingehalt sind unterschiedliche Eigenschaften. Deshalb gehören die Werte gemeinsam beurteilt.
