Welche Krankenversicherung ist die Richtige für mich?

Wer gerade am Startpunkt des eigenen Berufslebens steht, hat eine Entscheidung zu treffen. Jetzt nämlich gilt es zu überlegen, welche Krankenversicherung für einen selbst passend ist. Bislang waren Jugendliche und junge Erwachsene über die Eltern versichert, nun kommt die Entscheidung, ob es eine private Krankenversicherung – bei Studenten teils üblich – oder die gesetzliche Krankenversicherung werden soll.

Nicht selten kommen die gesetzlichen Versicherungsvertreter sogar direkt ins Haus und beraten. Aber welche Möglichkeit ist gut? Gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen GKV, wie kommt man in die PKV und was ist mit Erwachsenen, die über einen Wechsel nachdenken? Dieser Artikel betrachtet das Thema genauer.

Gesetzliche Krankenversicherung als Standard

Die gesetzliche Krankenversicherung ist bei Angestellten quasi nicht allein vom Gesetz her die Pflichtversicherung, sondern auch diejenige, in die Bürger grundsätzlich aufgenommen werden. Bei der GKV gibt es keinerlei Beitragsbemessungsgrenzen oder weitere Hürden, sodass von Hausfrauen/Hausmännern über Auszubildende und Angestellte bis hin zu Hartz 4-Empfängern alle Bürger aufgenommen werden. Dabei ist Folgendes wichtig zu wissen:

  • Tarife – die Tarife der einzelnen GKV unterscheiden sich inhaltlich nicht voneinander. Sie gelten auch als richtungsweisend für die Basistarife der privaten Versicherungen. Auch die Kosten sind grundsätzlich gleich, da sie vom Gehalt abhängig sind und gesetzlich festgelegt sind. Unterschiede kann es jedoch bei dem Zusatzbeitrag geben, den jede GKV für sich selbst festlegen kann. Ansonsten gilt: Jeder führt ab 2019 monatlich 14,6 Prozent seines Einkommens an die Krankenkasse ab.
  • Leistungen – die Kostenübernahmen der GKV beziehen sich auf die Standardleistungen. Etliche Behandlungen, gerade in der Zahnmedizin, werden nur noch bezuschusst und müssen vom Versicherten selbst getragen werden. Dafür haben die gesetzlichen Krankenkassen gegenüber den privaten Versicherungen häufig Vorteile bei chronischen, bereits bestehenden oder psychischen Krankheiten.

Grundsätzlich steht für viele Menschen überhaupt keine Wahlfreiheit an, da sie ausschließlich für die gesetzlichen Krankenversicherungen infrage kommen. Auszubildende und normale Angestellte werden nur von den GKV aufgenommen.

Nicht jeder kann in die PKV wechseln.
Nicht jeder kann in die PKV wechseln.

Krankenversicherung für Beamte

Und wie sieht es mit der Krankenversicherungspflicht für Beamte aus? Hier ist die Sachlage ganz anders. Beamte haben in den meisten Fällen einen Anspruch auf Beihilfe zur Krankenversicherung. Eine Ausnahme bilden Soldaten, Polizisten und Feuerwehrbeamte – hier tritt die allgemeine freie Heilfürsorge inkraft und betreffende Personen erhalten die Beihilfe erst im Ruhestand. Grundsätzlich ist es so, dass Beamte besser in der PKV aufgehoben sind, da:

  • Zuschüsse – wünschen Beamte, sich in der GKV zu versichern, erhalten sie keinen Zuschuss zu den Beiträgen, sondern müssen die Kosten alleine tragen.
  • Beihilfe – die Beihilfe übernimmt laut beamten-infoportal.de mindestens 50% der Krankheitskosten in der PKV (für Ehepartner und Kinder sogar mehr). Beamte brauchen nur ihren Anteil an der PKV bezahlen. In der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es leider keine anteiligen Tarife, so dass dort 100% des Beitrags fällig wären.
  • Tarife – die privaten Versicherungen bieten spezielle Beamtentarife, die nochmals günstiger sind.

Welche weiteren Ausnahmen existieren?

Grundsätzlich gibt es natürlich Möglichkeiten, in die private Krankenversicherung zu wechseln. Besonders üblich sind folgende Szenarien:

  • Hohes Gehalt – hier kommt die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze ins Spiel. Diese liegt im kommenden Jahr bei vermutlich 54.450 Euro jährlich, was ein Monatsgehalt von 4.537,50 Euro bedeutet. Wer ein höheres Gehalt verdient, hat die Wahl, in die private Krankenversicherung zu wechseln.
  • Selbstständige – mit Aufnahme der Selbstständigkeit besteht immer die Chance, in die PKV zu wechseln. Sie können aber in der GKV bleiben. Bislang wurden von den gesetzlichen Krankenkassen hohe Einkünfte vorausgesetzt und danach die Beiträge berechnet, sofern der Selbstständige nicht beweisen konnte, deutlich geringere Einnahmen zu haben. Mittlerweile gibt es ein neues Gesetz, welches die Beitragsregelung ändert und die monatlichen geschätzten Mindesteinnahmen auf 1.150 Euro festlegt, wodurch sich die Beiträge massiv verringern. Allerdings müssen Selbstständige künftig jährlich ihre Einnahmen offenlegen, damit gegebenenfalls nachberechnet werden kann.

Auch Studenten haben eine Wahlmöglichkeit und können sich entscheiden, ob sie künftig privat oder gesetzlich versichert sein wollen. Aber was bedeutet das für alle Gruppen, also Selbstständige, Gutverdiener und Studenten? Die Vor- und Nachteile auf einen Blick:

Vorteile:

  • Leistungsspektrum – abhängig vom gewählten Tarif ist das Leistungsspektrum der PKV deutlich über dem der gesetzlichen Versicherungen. Wer die volle Vielfalt wünscht, muss jedoch einen entsprechenden Tarif abschließen.
  • Basistarif – dieser ist der »Tarif für alle Privatversicherten«. Er wurde mit dem Pflichtversicherungsgesetz ins Leben gerufen und ist wohl der Tarif, den Studenten oder auch frische Selbstständige wählen. Leistungsmäßig stimmt er mit der typischen GKV überein, die monatlichen Beiträge sind aber oft günstiger.
  • Besondere Behandlungen – wer verbesserte Leistungen wünscht und die Chance hat, sich privat zu versichern, ist mit der PKV gut beraten. Viele Leistungen, die sonst vom Patienten selbst bezuschusst werden müssen, sind bereits im Tarif enthalten.

Nachteile:

  • Ausschlüsse – dies betrifft besonders ältere Personen oder Menschen, die Vorerkrankungen jeglicher Art haben. In den besseren Tarifen der PKV werden bekannte Erkrankungen, die vermutlich weiterhin oder immer wieder Kosten verursachen, von den Leistungen ausgeschlossen oder erfordern einen hohen Zuschuss. Beispiel: Wer bereits wegen Depressionen länger in Behandlung war oder gar eine dauerhafte Diagnose in dem Bereich hat, wird diesbezüglich einen Aufschlag oder nur die Leistungen des Basistarifs erhalten.
  • Kosten – auf den ersten Blick wirkt die private Krankenversicherung gerade für junge Menschen deutlich günstiger. Im Alter kann sie jedoch extrem teuer werden, da die Beiträge angepasst werden und nun nicht unbedingt mit den Einnahmen übereinstimmen müssen.

Es gibt aber für jeden gesetzlich Versicherten die Möglichkeit, die eigene Krankenversicherung mit Zusatzversicherungen aufzupeppen. Je nach Zusatzversicherung ist der Umfang nun durchaus mit hochwertigen privaten Tarifen vergleichbar, während der Basissatz erhalten bleibt.

Fazit – die gesetzliche Krankenversicherung für viele Pflicht

Viele Menschen kommen gar nicht in die Bedrängnis, überhaupt über die private Krankenversicherung nachdenken zu müssen, da sie die Voraussetzungen nicht erfüllen. Doch auch für diese Menschen gibt es Wege, sich »fast privat versichert« zu fühlen: die Zusatzversicherungen.

Wer jedoch die Möglichkeit hat, in die PKV zu kommen, sollte gut überlegen, was er will. Hier darf keinesfalls der heutige Status alleine zählen. Es ist nicht einfach, zurück in die GKV zu wechseln – die Kosten für die privaten Versicherungen laufen jedoch auch im Alter weiter und können hier zu einem ersten Problem werden.

Welche Krankenversicherung ist die Richtige für mich?
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Autor: Robert Milan

Der Autor ist seit dem Jahr 2005 Experte im Bereich gesundheitliche Ernährung und Nahrungsergänzung. Als langjähriger Medizinautor entsprechen seine Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich ebenfalls auf ärztliche Fachliteratur und der aktuellen medizinischen Leitlinie.

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