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Was ist Zöliakie? Diagnose und Behandlung.

Die Zöliakie/Sprue wurde Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. das erste Mal von Aretaeus von Cappadozien erwähnt. Er nannte die Patienten „koiliakos“. Das griechische Wort „koilia“ bedeutet „Bauch“. Die zweite Beschreibung der Zöliakie folgte 1888 durch den englischen Arzt Samuel Gee. Er nannte sie „coeliac affection“.

Die Zöliakie, die bei Erwachsenen auch Sprue genannt wird, ist eine Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten, das in Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Grünkern und allen daraus hergestellten Produkten enthalten ist. Bei Zöliakie/Spruepatienten ruft die Zufuhr von Gluten Schäden am Dünndarm hervor.

Bei einer ständigen Glutenzufuhr können die Schäden so groß werden, dass die Aufnahme von Nahrungsbestandteilen über den Darm nicht mehr möglich ist. Dann kann es zu einem Mangel an Eisen, Folsäure, Calcium, Zink, Kalium, Eiweiß und Vitaminen kommen.

Das Gluten greift den Dünndarm folgendermaßen an: Um für die Nahrungsaufnahme eine genügend große Oberfläche zu schaffen, ist der Darm mit Zotten ausgekleidet. Bei Zöliakie/Spruepatienten führt die Zufuhr von Gluten zur Abflachung dieser Zotten. Die Folge: Der Körper kann nicht mehr genug Nahrung aufnehmen und es kommt zu Mangelerscheinungen.

Zöliakie Symptome sind bei Kindern:

  • Wachstumsstörungen
  • Erbrechen
  • Vorgewölbter Bauch
  • Sehr niedriges Körpergewicht
  • Schlaffe Muskulatur
  • Übelriechender Stuhl
  • Appetitlosigkeit
  • Missmutigkeit
  • Blässe

Bei Erwachsenen treten z.B. folgende Zöliakie Symptome auf:

  • breiiger, fetter, übelriechender Stuhl
  • Erbrechen
  • Völlegefühl
  • Zungenbrennen
  • Knochenschmerzen
  • Blähungen
  • Fahle Haut
  • Nervosität und Depressionen

Aber Achtung: Gerade bei Erwachsenen kommen viele Symptome oftmals nur leicht oder gar nicht vor!

Zöliakie Diagnose

Bis endgültig die Diagnose Zöliakie steht, ist es nicht selten ein langer Weg. Denn oft erkennen Ärzte gar nicht oder erst sehr spät, dass es sich um Zöliakie/Sprue handelt.

Wenn der Verdacht auf Zöliakie/Sprue besteht, wird normalerweise mindestens ein Bluttest gemacht. Dabei wird das Serum auf Gliadin- sowie Endomysium- bzw. Retikulinantikörper untersucht.

Die Gliadinantikörper richten sich gegen den Getreidekleber und die Endomysiumantikörper gegen ein feines Bindegewebsgeflecht (Gewebs – Transglutaminase). Die Bestimmung der Gliadinantikörper erfolgt heutzutage standardisiert durch die ELISA – Technik und ist dadurch sehr zuverlässig. Die Bestimmung der Endomysiumantikörper ist komplizierter. Wenn sie aber von geübten Personen durchgeführt wird kann man schon recht gut sagen, ob eine Zöliakie/Sprue besteht.

Endgültige Sicherheit kann allerdings nur eine Dünndarmbiopsie bieten. Die Dünndarmbiopsie wird vor dem Beginn einer glutenfreien Diät durchgeführt. Dabei wird mit einer Sonde ein winziges Gewebsstück aus dem Dünndarm entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Da die Dünndarmbiopsie für eine sichere Diagnose unausweichlich ist, soll sie hier kurz erklärt werden:

Zöliakie
Zöliakie

Endgültige Sicherheit kann allerdings nur eine Dünndarmbiopsie bieten. Die Dünndarmbiopsie wird vor dem Beginn einer glutenfreien Diät durchgeführt. Dabei wird mit einer Sonde ein winziges Gewebsstück aus dem Dünndarm entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.

Da die Dünndarmbiopsie für eine sichere Diagnose unausweichlich ist, soll sie hier kurz erklärt werden:

Mindestens zwei Wochen vor der Biopsie beginnt der Patient, sich wieder „normal“ zu ernähren, also nicht mehr glutenfrei. Würde die Biopsie während einer glutenfreien Ernährung durchgeführt, würde das Ergebnis verfälscht.

Der Patient muss etwa 8 Stunden vor der Biopsie nüchtern bleiben. Kurz vor der Entnahme des Gewebsstücks wird dem Patienten ein Beruhigungsmittel verabreicht. Bei Erwachsenen kann auch darauf verzichtet werden, wenn vor der Entnahme die Vorgehensweise genau besprochen wird.

Nun wird die Sonde, an deren Ende die sog. Biopsiekapsel befestigt ist, geschluckt und durch Speiseröhre und Magen in den Dünndarm geschoben. Dort wird durch Ansaugen durch eine 2mm große Öffnung in der Biopsiekapsel ein kleines Stück der Oberfläche der Schleimhaut entnommen.

Die Sonde wird herausgezogen und die Gewebeprobe entnommen. Diese wird dann unter dem Lupenmikroskop bei 10-40facher Vergrößerung untersucht. Wird dabei eine flache, zottenlose Dünndarmschleimhaut festgestellt, ist die Diagnose Zöliakie/Sprue sicher.

Viele Kliniken führen die Biopsie heutzutage übrigens schon ambulant, also ohne Klinikaufenthalt, durch.

Zöliakie Behandlung

Zöliakie/Sprue ist nur durch eine strikt glutenfreie Ernährung behandelbar. Um es gleich vorwegzusagen: Zöliakie/Sprue verschwindet nicht! Die Erkrankung ist erblich bedingt und man kann sie genauso wenig heilen wie man die Augenfarbe verändern kann.

Oft kommt es, vor allem bei erwachsenen Patienten, vor, dass bei „normaler“ Ernährung keine Symptome für Zöliakie/Sprue auftreten. Das bedeutet aber nicht, dass die Erkrankung nicht mehr vorhanden ist. Oft kommt es erst nach Jahren der „normalen“ Ernährung wieder zu Symptomen, dafür aber umso heftiger.

Hält sich ein Zöliakie/Spruepatient nicht an die glutenfreie Diät, kann das schlimme Folgen nach sich ziehen, die aber oft erst nach Jahren auftreten. Mit der Zeit treten z.B. Mangelerscheinungen auf (Mangel an Eisen, Folsäure, Calcium, Zink, Kalium, Eiweiß, den Vitaminen A,C,D und K sowie Multivitaminen).

Es kann aber auch zum Auftreten weiterer Erkrankungen, wie z.B. der Laktoseintoleranz (Milchallergie), kommen. Besonders brisant: Zöliakie/Spruepatienten, die sich ständig „normal“, also glutenhaltig, ernähren, tragen ein wesentlich höheres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Bei Patienten, die sich glutenfrei ernähren, liegt das Risiko so hoch wie bei nicht erkrankten Menschen.

Die glutenfreie Diät sieht vor, dass folgende Nahrungsmittel absolut tabu sind: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Grünkern und alle daraus hergestellten Produkte, wie Nudeln, Brot, Paniermehl und Fertiggerichte. Es gibt besondere Firmen, die diese Produkte glutenfrei herstellen, z.B. aus Mais- oder Reismehl.

Grundsätzlich erlaubt sind Grundnahrungsmittel wie z.B. Mais (dieser wird oft als Ersatz für Weizen, Roggen etc. verwendet), Reis, Buchweizen, Hirse, Soja, Sesam, Kartoffeln, Milch, Fleisch, Fisch, Eier, Gemüse, Obst, Fette und alle Lebensmittel, die ohne Zusatz von Gluten oder glutenhaltigen Produkten hergestellt werden.

 

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One comment

  1. darius

    Nie ein Wurstbrot zum Frühstück, keine Spaghetti am Abend? Circa jeder 500. Bundesbürger leidet an der wenig bekannten einheimischen Sprue, auch als Weizenallergie beziehungsweise Glutenallergie bekannt. Der in Weizen, Roggen und anderen Getreidesorten enthaltene Proteinkleber Gluten löst bei den Patienten eine Entzündung der der Schleimhaut im Darm aus, was zu einer Störung der Darmzotten führt. Da die Zotten für die Aufnahme von Nährstoffen verantwortlich sind, kommt es mit der Zeit zu Mangelzuständen und einer großen Anzahl von Symptomen, u.a. Müdigkeitszustände, Gedächtnisstörungen und Gewichtsverlust, trotz mitunter deutlich erhöhter Nahrungsaufnahme.
    Eine Heilung gibt es für die heutzutage zumeist als Zöliakie bezeichnete chronische Erkrankung nicht, die Ursprünge scheinen wenigstens zum Teil vererbbarer Natur zu sein. Die Patienten müssen immer eine glutenfreie Ernährung einhalten – nicht zuletzt, um ihr vermehrtes Darmkrebsrisiko niedrig zu halten, allerdings bis es überhaupt zur Diagnose kommt, vergehen meist Monate, oder sogar Jahre. Wie bei anderen Unverträglichkeiten gegen Nahrungsmittel verursacht auch Zöliakie vor allem wechselnde Symptome, die kaum Hinweise auf den Ursprung geben – die Erkrankten konsumieren ohne Einschränkungen trotz ihrer Unverträglichkeit Gluten und schädigen damit ahnungslos sich selbst. Deshalb kommt es meist zu Folgebeschwerden wie beispielsweise Milchzuckerintoleranz. Nach dem Wechsel auf glutenfreie Ernährung verschwinden die Symptome jedoch zumeist nach wenigen Wochen, die Darmschleimhaut braucht dagegen bis zu über einem Jahr, um sich vollständig zu erholen. Die Folgebeschwerden gehen innerhalb dieser Zeit in den meisten Fällen zurück, auch wenn Roggenbestandteile in zahlreichen Lebensmitteln eingesetzt werden, stellt eine glutenfreie Ernährung heutzutage kein unbezwingbares Problem mehr dar. Denn mit der wachsenden Zahl an Leidenden hat sich über die Zeit gleichermaßen ein entsprechender Markt gebildet, der mit besonderen Zubereitungen auf die speziellen Bedürfnisse eingeht. Allerdings betragen die Preise glutenfreier Lebensmittel meist das Doppelte handelsüblicher Produkte. In wenigen Ländern, darunter der Schweiz, federt eine Behörde die großen Kosten deshalb durch einen Lebensmittelzuschuss ab; dadurch sind auch das abendliche Wurstbrot und der Teller Nudeln kein Wunschtraum mehr.

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