Was tun gegen Schulterschmerzen?

Schulterschmerzen können durch viele Ursachen hervorgerufen werden. Das Schultergelenk ist weitgehend rein muskulär aufgehängt. Hierbei sind viele Muskeln, Sehnen und Kapseln beteiligt. Eine Störung in einem einzelnen Anteil oder auch in mehreren kann zu Schulterschmerzen führen. Hier seien insbesondere Krankheitsbilder wie frozen shoulder, Impingement-Syndrom, Omarthrose (Verschleiß des Schultergelenks), Rotatorenmanschettenruptur, Schultereckgelenkarthrose, Schultersteife sowie Schulterverletzungen aufgezählt.

Ursache von Schulterschmerzen können aber auch von inneren Organen fortgeleitet werden. Hier seien insbesondere die Schulterschmerzen beim Herzinfarkt erwähnt. Schulterschmerzen können aber auch bei Erkrankungen der Leber, der Gallenblase sowie des oberen Verdauungstraktes auftreten. Ausstrahlungen vonseiten der Halswirbelsäule (HWS) bei HWS-Syndrom und Rückenschmerzen sind häufig. Schulterschmerzen können bewegungsabhängig auftreten, sie können sich durch Bewegungseinschränkungen kennzeichnen oder auch durch bohrende, schlafraubende Nachtschmerzen.

Anatomie:

Die Schulter setzt sich funktionell aus 4 Gelenken zusammen. Es besteht ein Gelenk zwischen Oberarmkopf und Schulterblatt, ein Gelenk zwischen Schulterblatt und Schlüsselbein, ein Gelenk zwischen Brustbein und Schlüsselbein sowie einer Verschiebeschicht zwischen Schulterblatt und hinterem Brustkorb.

Störungen jedes Abschnitts können ursächlich für Schulterschmerzen und Krankheitszustände sein. Nervenabschnitte wie der Nervus (N.) plexus brachialis und der N. axillaris stehen in enger Beziehung zu den knöchernen Strukturen und können ebenfalls Schulterschmerzen auslösen.

Das Gelenk zwischen Oberarmkopf und Schulterblatt hat einen besonders großen Bewegungsumfang. Hier können bei Überlastungen schnell Schulterschmerzen auftreten. Der Oberarmkopf hat als Gegenüber nur eine sehr kleine und flache Gelenkpfanne, so dass der Weichteilführung im Bereich der Schulter eine große Bedeutung zukommt. Es kommt daher sehr häufig zu Schulterschmerzen durch Verschleißveränderungen im Bereich der schulterumfassenden Muskeln, Sehnen und Gelenkkapseln.

Untersuchung bei Schulterschmerzen:

Bei Schulterschmerzen wird Ihr Arzt zunächst eine sorgfältige Anamnese (Befragung) erheben. Hier sind nicht nur Belastungen im Beruf und Alltag gefragt, sondern auch Ursachen wie rheumatische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen oder Verletzungen.

Ihr Arzt wird zunächst durch Rotationsbewegungen am herabhängenden Arm das Schultergelenk abtasten. Hier können viele Strukturen geprüft werden. Danach werden die einzelnen Funktionen der Sehnen und des Kapsel-/Bandapparates geprüft. Wichtig ist bei Schulterschmerzen die Untersuchung bei aktiven und passiven Bewegungsübungen.

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Hier können Erkrankungen wie das Impingement-Syndrom als auch Verkürzungen des Kapsel-/Bandapparates festgestellt werden. Durch die Bewegungsprüfung kann man Schulterschmerzen provozieren. Wichtig ist die Stabilitätsuntersuchung der Schulter insbesondere bei wiederkehrenden Schulterluxationen (Schulterverrenkungen).

Bildgebende Untersuchungstechniken bei Schulterschmerzen:

Röntgenologisch wird das Schultergelenk in 2 oder 3 Aufnahmetechniken untersucht. Hierbei können Verschleißerkrankungen, knöcherne Verletzungen als auch Verkalkungen im Bereich der Schulter festgestellt werden.

Mittels Ultraschall (Sonographie) können Weichteilstrukturen der Schulter auch unter Bewegung dargestellt werden. Dies ist von großer Bedeutung, da die meisten Schulterschmerzen im Bereich der Weichteile auftreten können.

Es können noch Kontrastmittel in das Schultergelenk gespritzt werden, um ggf. Kapselverletzungen festzustellen. Bei besonderen Fragestellungen wird die Kernspintomographie eingesetzt.

Bei den verschiedenen Ursachen von Schulterschmerzen werden verschiedene therapeutische Ansätze nötig. Es sollen jetzt die verschiedenen Ursachen von Schulterschmerzen einzeln dargestellt werden.

Schulterschmerzen bei wiederkehrenden Schultergelenkverrenkungen:

Diese können entweder durch eine angeborene Bindegewebsschwäche oder falsche Entwicklung im Schultergelenk auftreten. Eine andere Möglichkeit sind Veränderungen des Schultergelenkes nach Unfall.

Die Patienten klagen über Schulterschmerzen mit Instabilitätsgefühl insbesondere bei beruflichen und sportlichen Aktivitäten. Es entwickeln sich zunehmend chronische Schulterschmerzen. Die Drehbewegungen nach außen sowie das Anheben des Armes werden vermieden. Oft treten die Schulterschmerzen schon beim Kämmen der Haare oder im Schlaf auf.

Behandlung der wiederkehrenden Schultergelenkverrenkungen:

Hier werden zunächst intensive krankengymnastische Übungsbehandlungen notwendig, um das Gelenk zu stabilisieren. Ergänzend wird die Ergotherapie bei Schulterschmerzen eingesetzt. Hier werden Techniken erlernt, um bestimmte Bewegungen in Beruf und Alltag zu verbessern.

Bei intensiven Schulterschmerzen werden noch physikalische Maßnahmen wie Ultraschall, Elektrotherapie und schmerzlindernde Massagetechniken eingesetzt. Sollten sich die Schulterschmerzen durch eine intensive konservative Behandlung nicht bessern, muss ggf. über operative Maßnahmen nachgedacht werden.

Auch nach operativen Eingriffen bei Schulterschmerzen wird eine intensive Nachbehandlung (Rehabilitation) notwendig, um erneute Schultergelenkverrenkungen zu vermeiden und die Muskulatur zu kräftigen.

Schulterschmerzen bei Verschleißerkrankungen:

Schulterschmerzen bei Verschleißerscheinungen
Schulterschmerzen bei Verschleißerscheinungen

Omarthrose (Verschleiß des Gelenkes zwischen Oberarmkopf und Schulterblatt):

Bei der klinischen Untersuchung zeigt sich die aktive und passive Beweglichkeit des Gelenkes stark eingeschränkt. Röntgenologisch sieht man eine deutliche Gelenkspaltverschmälerung sowie knöcherne Anbauten der Gelenkanteile. Ggf. müssen noch laborchemische Untersuchungen durchgeführt werden, um Stoffwechsel- und rheumatologische Erkrankungen auszuschließen.

Therapie bei Verschleißerkrankungen und Schulterschmerzen:

Hier kommen ebenfalls intensive krankengymnastische, physikalische und ergotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz. Nur selten müssen operative Maßnahmen wie z. B. künstliche Schultergelenke eingesetzt werden.

Schulterschmerzen bei Erkrankungen des Acromio-Claviculargelenkes (AC-Gelenk; Gelenk zwischen Schulterdach und Schlüsselbein):

Das Schultereckgelenk ist großen mechanischen Scherbeanspruchungen ausgesetzt und zeigt auf dem Röntgenbild häufig verschleißbedingte Veränderungen. Auch kann der Verschleiß durch Unfälle im Schultereckgelenk entstehen. Der Schulterschmerz kommt hier häufiger vor.

Die Schulterschmerzen können durch lokale Infiltrationen (Spritzen) gelindert werden. Operative Behandlungen sind nur selten nötig.

Schulterschmerzen beim Impingement-Syndrom (auch Einklemmungs- oder Engpasssyndrom):

Es handelt sich um einen Sammelbegriff für die Folgen einer mechanischen Reizung der Rotatorenmanschette (Muskulatur der Schulter und der Schleimbeutel unter dem Schulterdach). Dies kann zu einer Einengung des Gleitraums unter der Schulterhöhe führen.

Die Schulterschmerzen werden durch eine Einengung des Platzes zwischen dem Oberrand der Gelenkpfanne und der Schulterhöhe hervorgerufen. Dort läuft die Sehne des Musculus (M.) supraspinatus (oberer Schulterblattquermuskel). Bei Schulterschmerzen durch das Impingement-Syndrom wird dieser Raum verkleinert und es kommt zu Einklemmungserscheinungen und Schulterschmerzen, wenn der Arm zur Horizontalen angehoben wird.

Schulterschmerzen bei Impingement-Syndrom können aber auch durch eine angeborene Formvariante der Schulterhöhe, Verschleißerkrankung des Schultereckgelenkes, Spornbildungen oder Verkalkungen im Bereich der Schultermuskulatur hervorgerufen werden. Ebenfalls können Schulterschmerzen beim Impingement-Syndrom durch Verletzungen der Rotatorenmanschette, Schleimbeutelentzündungen, Verkalkungen im Bereich der Supraspinatussehne auftreten.

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Es kann zu Muskelungleichgewichten im Bereich des Schultergürtels sowie durch Veränderungen der langen Bizepssehne kommen. Bei Schulterschmerzen infolge eines Impingement-Syndroms kommt es zu einer Verkleinerung des Gleitraumes entweder durch äußere Einengung (externes Impingement) oder durch Verdickung der Rotatorenmanschette (internes Impingement). Es resultiert hierdurch ein Schulterschmerz mit Reizzustand mit begleitender schmerzhafter Schleimbeutelentzündung.

Schulterschmerzen können aber auch durch einen Kalkeinbruch aus einer verkalkten Supraspinatussehne entstehen. Durch die starken Schmerzen wird das Schultergelenk ruhig gehalten, es kann eine Schultersteife auftreten.

Therapie des Impingement-Syndroms:

Bei akuten Beschwerden werden Kältetherapie sowie lokale Infiltrationen (Spritzen) notwendig. Im chronischen Stadium erfolgt eine mobilisierende, bewegungsfördernde krankengymnastische Behandlung.

Diese wird ergänzt durch physikalische Maßnahmen wie Wärme und schmerzlindernde Elektrotherapie. Ergotherapeutisch wird das Bewegungsausmaß für Alltag und Beruf gefördert. Andere Möglichkeiten bei unveränderten Schulterschmerzen können die Röntgenreizbestrahlung als auch die extrakorporelle Stoßwellentherapie (spezielle Ultraschall-Behandlung) sein.

Sollten sich die Schulterschmerzen beim Impingement-Syndrom durch die intensive konservative Therapie nicht bessern, muss eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie des Schultergelenkes) durchgeführt werden.

Schulterschmerzen bei Periarthrosis calcarea (= Kalkschulter):

Die Schulterschmerzen bei der Kalkschulter beschreibt eine nicht verschleißbedingt Sehnenerkrankung mit Verkalkungen im Bereich der Rotatorenmanschette. Eine genaue Ursache der Schulterschmerzen bei Verkalkungen im Bereich der Rotatorenmanschette ist nicht bekannt.

Frauen in der Menopause sind sehr häufig betroffen. Die Patienten leiden unter oft unerträglichen Schulterschmerzen. Es besteht bei der klinischen Untersuchung eine Schonhaltung des erkrankten Armes.

Therapie der Schulterschmerzen bei Kalkschulter:

Im akuten Stadium erfolgt die Ruhigstellung sowie lokale Spritzenbehandlungen, auch unter Einsatz von Cortison.

Ergänzend können von physikalischer Seite schmerzlindernde Elektrotherapien eingesetzt werden. Oft müssen noch zusätzlich auch Schmerzmittel gegeben werden. Bei anhaltenden Schulterschmerzen muss evtl. eine Gelenkspiegelung durchgeführt werden.In Ausnahmefällen wird auch hier die extrakorporelle Stoßwellentherapie eingesetzt.

Schulterschmerzen bei entzündlichen Erkrankungen:

Hier handelt es sich um entzündliche Erkrankungen im Schultergelenk. Die Behandlung erfolgt in orthopädischen oder chirurgischen Akutkliniken. Hier müssen hoch dosierte Antibiotika eingesetzt werden. Häufig müssen auch operative Behandlungen eingesetzt werden.

Schulterschmerzen bei Rotatorenmanschettenruptur:

Hier handelt es sich um Risse der den Oberarmkopf überdachenden Rotatorenmanschette. Es können unterschiedliche Muskeln betroffen sein. Die Rissverletzungen können sowohl durch Unfallgeschehen als auch durch verschleißbedingte Erkrankungen auftreten. Meistens bestehen Schulterschmerzen bei ausgeprägten degenerativen Vorschäden. Der plötzliche Riss der Rotatorenmanschette entsteht meist bei Sturz auf den ausgestreckten Arm mit nachfolgenden, zunächst starken, dann wieder abnehmenden Schulterschmerzen.

Bei dem sich über längere Zeit entwickelnden Verschleiß der Rotatorenmanschette ist die Schulterschmerzsymptomatik eher gering. Oft besteht eine Bewegungseinschränkung, röntgenologisch sind degenerative Veränderungen feststellbar. Mittels der Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) kann das Ausmaß sowie der Ort der Ruptur gut festgestellt werden.

Therapie der Schulterschmerzen bei Rotatorenmanschettenruptur:

Bei frischen Verletzungen und jungen Menschen wird meist die operative Wiederherstellung der Rotatorenmanschette durchgeführt. Bei verschleißbedingten Rupturen steht zunächst die konservative Therapie im Vordergrund. Die Bewegungseinschränkung wird durch Krankengymnastik und Lagerung therapiert.

Von physikalischer Seite werden die Schulterschmerzen durch schmerzlindernde Elektrotherapie, Wärme, ggf. auch Kältetherapie behandelt. Nur selten müssen die Schulterschmerzen bei Rotatorenmanschettenruptur bei älteren Patienten operativ behandelt werden.

Andere Ursachen von Schulterschmerzen können insbesondere Verschleißerkrankungen im Bereich der HWS (HWS-Syndrom) sein. Auch können Bandscheibenvorfälle ausstrahlende Schulterschmerzen auslösen.

Sollten Schulterschmerzen nicht auf orthopädische Ursachen zurückgeführt werden können, erfolgt die intensive Untersuchung durch andere Fachärzte, wie z. B. den Internisten. Es sollen dabei internistische Erkrankungen am Herzen, der Leber, der Galle und Stoffwechselerkrankungen ausgeschlossen werden. Seltene Ursachen der Schulterschmerzen können auch Gefäßveränderungen oder neurologische Erkrankungen sein.

Video: Übungen gegen Schulterschmerzen

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