Parasomnien – die ungewöhnliche Art der Schlafstörungen

Mit Parasomnien beschreibt man Erscheinungen, die während des Schlafes auftreten. Allerdings scheinen die Phänomene weder die Erholsamkeit des Schlafes noch dessen Qualität zu beeinträchtigen. Da hier jedoch unterschiedliche Störungsbilder auftreten, deren Aktivitäten entweder im Bett oder außerhalb des Bettes geschehen und gar zum Erwachen führen, kann es natürlich sein, dass der ein oder andere in dem Gesamtschlaf erheblich gestört wird.

Die Parasomnien treten in verschiedenen Schlafstadien auf, sodass sie entsprechend in NREM-Schlaf-Parasomnien/Aufwachstörungen, REM-Schlaf-Parasomnien und in solche Parasomnien unterteilt werden, die keinem Schlafstadium eindeutig untergeordnet werden können.

Auffällige Phänomene aus dem Schlaf heraus

Schlaf-Parasomnien oder Aufwachstörungen

NREM-Schlaf-Parasomnien respektive Aufwachstörungen werden als solche genannt, da unser Gehirn nicht komplett aufwacht. In diesem Zustand können trotzdem verrückte Handlungen ausgeführt werden. Die Augen sind währenddessen zwar geöffnet, jedoch ist das Gehirn nicht voll bei der Sache. Das erklärt auch, warum Betroffene eher unsinnige Dinge tun, selbst die altbekannten Personen nicht erkennen und sich an diesen Zustand erst gar nicht erinnern können, nachdem sie am nächsten Morgen aufwachen.

Angst in der Nacht

Nachtangst, welche auch den Namen Pavor nocturnus trägt, tritt in der Regel zu Beginn der Nacht auf und wird durch einen lauten Schrei des Betroffenen eingeleitet. Diejenigen, die unter solch einer Nachtangst leiden, zeigen starke und heftige Symptome der Angst auf – schon allein an den weit geöffneten Augen. Zudem kommt es oft zum plötzlichen Aufspringen aus dem Bett, zum nervösen Umherlaufen im Zimmer oder gar zum Verlassen des Hauses.

Im Gegensatz zu Alpträumen, scheint es so zu sein, dass man während der Nachtangst keine lebhaften Abläufe von Träumen erlebt.

Diese Art der Störung tritt besonders bei Kindern auf, allerdings ist ein häufiges Auftreten, welches den schnitt von einmal pro Woche übersteigt, eher selten. Das nächtliche Aufschrecken tritt bei Erwachsenen selten auf. Bis heute hat man die Hintergründe der Entstehung der Störung nicht herausfinden können, jedoch glaubt man, dass es ein Zusammenhang zwischen familiärer Veranlagung und Stress gibt.

Vor dem Zubettgehen können Entspannungsübungen gemacht werden, um die Häufigkeit des nächtlichen Aufschreckens zu reduzieren. Wer allerdings unter starker Störung leidet, sollte eine Schlaflabordiagnostik durchführen, denn die Störung könnte auf nächtliche epileptische Anfällen zurückgeführt werden.

Wandeln während des Schlafens

Schlafwandel tritt während des Schlafes auf. Dies geschieht mitten in der Nacht oder es kommt in der ersten Nachthälfte zu Aktivitäten, ohne dass der Betroffene entweder Wind davon bekommt oder richtig wach ist. Da die Augen geöffnet sind, sieht die Person was sie tut, jedoch scheint sie es nicht zu begreifen, denn die getätigten Dinge sind meist unsinnig. Wird der Betroffene beruhigt und wieder ins Bett gelegt, so erinnert sich dieser meist nicht mehr an das Geschehene.

Parasomnien - Im Schlaf unbewusst wandern
Parasomnien – Im Schlaf unbewusst wandern

Da Betroffene sich verletzen könnten, ist es ratsam, das Schlafzimmer der jeweiligen Personen entsprechend zu gestalten, um die Gefahren zu minimieren. Wer dazu neigt, das Haus zu verlassen, sollte die Haustür abschließen und den Schlüssel wo anders zu verstauen.

Bei der Ursache geht man hier ebenfalls von einer Veranlagung aus. Entspannungsübungen vor dem Schlafgehen können auch helfen. Außerdem ist es sinnvoll, sich darauf zu trainieren, wenn man mit dem Fuß den Boden berührt, dass man aufwacht.

REM-Schlaf-Parasomnien

Als REM-Schlaf wird die Schlafphase bezeichnet, die eine schnelle Augenbewegung bei geschlossenen Lidern beschreibt.

Schlaftrunkenheit

Zum unvollständigen Erwachen kommt es bei der Schlaftrunkenheit. Sofern die Person zu einem scheinbaren Erwachen kommt, ist sie eher verwirrt und desorientiert. Schlaftrunkenheit tritt beim Wecken aus dem Tiefschlaf auf. Bei dieser Art der Störung kann es vorkommen, dass der Wecker überhört oder gar während des Schlafes ausgemacht wird.

Alpträume

Beinahe jeder Mensch hatte schon mal Alpträume gehabt. Alpträume gelten als die häufigsten Parasomnien überhaupt. Dabei träumen viele von Verfolgungen, vom Tod von nahestehenden Personen und vom Fallen ins Bodenlose. Gleichzeitig sind die Träume mit Gefühlen wie Angst, Ekel und Trauer gekennzeichnet und führen daher zum Erwachen. Nachdem man erwacht ist, kann man sich recht gut an den Traum erinnern.

Wer mehr als einmal pro Woche von Alpträumen heimgesucht wird oder Kinder sogar Angst vor dem Einschlafen haben, aufgrund der Alpträume, sollte in jedem Fall diese Störung behandeln lassen. Es gibt wirklich gute und wirksame Handlungen, die gegen Alpträume helfen. Als erstes wird der Traum aufgeschrieben oder gezeichnet, um zum Ende hin ein neues Ende für den Traum zu überlegen. Das neuerdachte Ende wird aufgeschrieben oder eingezeichnet und anschließend für eine längere Zeit, bis zu zwei Wochen, täglich für ein paar Minuten eingeübt. Man konfrontiert sich bewusst mit dem Alptraum und der dahintersteckenden Angst, jedoch führt diese Methode bei Betroffenen zu einer Verminderung der Alpträume.

Weitere Parasomnien

Das Knirschen mit den Zähnen

Nächtliches Zähneknirschen kommt häufiger vor, bedeutet jedoch nicht, dass ernsthafte physische oder psychische Erkrankungen vorliegen. Doch das Zähneknirschen fördert Fehlstellungen von Zähnen und Kiefer. Meist ist der Stress der Grund, warum es zu Zähneknirschen kommt.

Sprechen im Schlaf

Das Sprechen im Schlaf gehört zu den normalen Phänomenen, welches bei der Allgemeinbevölkerung häufig auftritt. Das Gesprochene ist recht unverständlich, da die Sprechmuskulatur während des Schlafes entspannt ist. Hierbei ist keine weitere Behandlung notwendig.

Einschlafzuckungen

Einschlafzuckungen treten sporadisch auf und sind ein natürliches Vorkommen, welches keinen Krankheitswert hat. Hierbei kommt es zu plötzlichen und schnellen Zusammenzucken des ganzen Körpers, besonders in der Einschlafphase. So einige Einschlafzucken sind harmlos und werden von den Betroffenen eher als schreckhaft erlebt. Aber es gibt auch visuelle Einschlafzuckungen, die von Bildern begleitet werden. Auditiven Einschlafzuckungen führen zur Wahrnehmung von Geräuschen.

Wann ist eine Ärztliche Behandlung notwendig?

Parasomnien wie Schlafwandeln und Alpträume treten häufig auf. Diese Tatsache führt automatisch zu der Frage, wann eine ärztliche Behandlung notwendig ist. Um diese Frage zu beantworten, muss man die eigene, subjektive Belastung durch die Störungen kennen. Bei Alpträumen kann die Tagesstimmung beeinträchtigt und zudem Ängste vor dem Einschlafen gefördert werden. Beim Schlafwandeln kann es zur gefährlichen Aktionen kommen. Selbst eine Verhaltensstörung kann in unruhigem Schlaf begründet liegen.

Als Faustformel kann folgendes gemerkt werden: wer mehr als einmal pro Woche bzw. häufiger von Parasomnien geplagt wird, sollte sich behandeln lassen.

Parasomnien sind sehr komplex und bedürfen daher eine umfangreiche und umfassende Untersuchung, am besten in einem Schlafmedizinischen Zentrum. Hier werden die Körperfunktionen mit Hilfe von Überwachungssystemen beobachtet, aufgezeichnet und analysiert. Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass ein Spezialist auf Parasomnien die Untersuchung durchführt.

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