Nierenschmerzen

Nierenschmerzen bezeichnet der Mediziner auch als renale Schmerzen (Ren = Niere).

Organfunktion

Die Niere hat die Aufgabe, das Volumen (= Menge) und die Zusammensetzung der extrazellulären (= außerhalb der Zellen befindliche) Flüssigkeit konstant zu halten. Verschiedene Erkrankungen dieses Organs gehen neben Funktionsstörungen auch mit Nierenschmerzen einher, diese werden in der Flanke verspürt.

Anatomie (= Lehre vom Körperaufbau) 

Die rechte Niere befindet sich in Höhe des 12. Brust- und 3. Lendenwirbels, die linke in Höhe des 11. Brust – und 2. Lendenwirbels neben der Wirbelsäule. Eine Niere ist etwa 12 cm lang, 6 cm breit sowie 3 cm dick und wiegt 160 Gramm. Das Organ unterteilt sich in Nierenrinde und Nierenmark, die unterschiedlich erkranken können. püöAls Nierenlager wird das anatomische Bett der Niere samt Hüllen bezeichnet. Bei einer Affektion (= Störung / Erkrankung) der Niere ist das zugehörige Nierenlager meist klopfschmerzhaft.

Nierenschmerzen treten hpts. in 2 Formen auf:

  1. Kolikartiger (= krampfartige, wehenartige) Nierenschmerzen
  2. Dumpfe, anhaltende Nierenschmerzen

Ursachen für kolikartige Nierenschmerzen (Nierenkolik):

  • Nierensteine
  • hochsitzende Uretersteine (= Harnleitersteine)
  • Harn rückstauung, dadurch Nierenbecken-, Nierenkelchdehnung
  • Spasmen (= Verkrampfung)

Ursachen für anhaltende Nierenschmerzen:

  • Glomeru onephritis (= Entzündung der Nierenkörperchen)
  • Pyelon ephritis (= Nierenbeckenentzündung)
  • Nierenabszeß (= abgekapselte Eiteransammlung)
  • Nierentuberkulose
  • Nierenverletzung
  • Nierentumore
  • Nierenanomalien (= Fehlbildungen)

Es gibt auch gemischte Formen der Art, daß sich anhaltende Nierenschmerzen zwischendurch kolikartig verstärken können.

Schmerztherapie bei chronischen (= länger als drei Monate anhaltende) Nierenschmerzen

Nicht selten verbleiben trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung weiterhin renale Schmerzen, so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach den Schmerzen und ihrer Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach deren Ursache richten. Länger bestehende, chronische Nierenschmerzen erfordern praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Bei chronischen Nierenschmerzen sind dies:

  1. Information über die Erkrankung
  2. Medikamentöse Behandlung (u.a. Schmerzmittel, evtl. auch Spasmolytika (= krampflösende Mittel), Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)
  3. Therapeutische Lokalanästhesie (= Betäubung, Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, ev tl. auch rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter
  4. Akupunktur
  5. Evt l. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)
  6. Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigung)
  7. evtl. diätetische Maßnahmen

Therapeut ische Lokalanästhesie (= Betäubung bzw. Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei chronischen Nierenschmerzen
Die einfachste diesbezügliche Methode ist eine wiederholte (stationär 2 x täglich, auch an Wochenenden über 10-14 Tage) Triggerpunktbehandlung mit einem lang wirkenden Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel). Dabei werden sch merzhafte Reizpunkte im Lendenbereich infiltriert, wodurch es über die entsprechende Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) zu einer Entkrampfung und Durchblutungssteigerung im zugehörigen Organ kommt.

Nierenschmerzen - Durchblutungssteigerung durch Katheter
Nierenschmerzen – Durchblutungssteigerung durch Katheter

Eine sehr hilfreiche und effektive Therapiemethode ist bei chronischen Schmerzen in einer Niere die kontinuierliche epidurale (= rückenmar knahe) Blockade mit Katheter.

Neben der erwünschten Un terbrechung der Schmerzreizleitung is t ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil, daß bei dieser Therapie, sozusagen als Nebeneffekt, auch der Grenzstrang (= paarige Nervenstränge des unwillkürlichen Nervensystems neben der Wirbelsäule) mit einbezogen wird, so daß es gleichzeitig zu einer erheblichen Durchblutungssteigerung kommt, die jeder entzündlichen Schmerzursache (z.B. Glomerulo nephritis, Pyelonephritis) fast schon kausal (= auf die Ursache gerichtet) entgegenwirkt.

Auch bei Verwachsungen ist die sympathikolytische (= gefässerweiternde und damit durchblutungssteigernde) Nebenwirkung hilfreich, indem die entstandenen, bradytrophen (= mit vermindertem Stoffwechsel einhergehenden) Gewebsbereiche besser durch blutet werden und es dadurch zu einer Optimierung der gestörten Mikrozirkulation kommt.

Wirkung und Aus maß einer lumbalen (= den Lendenbereich betreffenden) epiduralen Blockade kann individuell mittels Lokalanästhetikamen ge (= Betäubungsmittelmenge) und -konzentration so gesteuert werden, daß die Schmerzreize aus dem gesamten Bauchraum bei weitgehend erhaltener Motorik (= Muskelkraft) blockiert werden. Der Erhalt der Motorik hat den Vorteil, daß die Patienten sich unter dieser Therapie weiter frei bewegen können.

Bei der sog. kon tinuierlichen epiduralen Blockade (= Betäubung) mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch vom Rücken her dicht an das Rückenmark eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine spezielle Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt.

In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hin durch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Behandlungsrisiko als vertretbar eingestuft werden.

Bei krebsbedingten renalen Schmerzen kann diese Blockademethode auch angewendet werden, allerdings wird man auf das örtliche Betäubungsmittel verzichten, da in diesem Falle eine gefässerweiternde Wirkung unerwünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigt. Mit einer Morphin-Lösung läßt sich eben falls eine gute, schmerzstillende Wirkung erzielen.

Lesen Sie auch: Sinetrol – Erfahrungen und Bewertung

Bei längerfristig bestehenden, chronischen Nierenschmerzen ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Video: Nierenschmerzen – Ursachen und Lösung

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  1. Eine Nierenbeckenentzündung kann zu einer chronischen Krankheit werden, wenn man diese nicht von einem Arzt behandeln lässt. Leider kommt es häufig dazu, das Betroffene die Symptome falsch einschätzen und denken, sie seien an einer einfachen Blasenentzündung erkrankt, welche sie mit Tees und anderen Hausmittelchen selber zu kurieren versuchen.

    Allerdings gibt es sehr deutliche Unterschiede zwischen einer Blasenentzündung und einer Nierenbeckenentzündung. Denn bei einer Nierenbeckenentzündung bekommt der Erkrankte meist auch hohes Fieber zu den anderen Symptomen, die sich beispielsweise durch Schmerzen beim Urinieren äußern.

    Oftmals muss eine Nierenbeckenentzündung mit Antibiotika behandelt werden, um die Bakterien erfolgreich zu „bekämpfen“. In wenigen Fällen kann es geschehen, dass die Bakterien gegen das Antibiotika resistent sind und selbst nach der Behandlung noch keine vollständige Genesung erfolgte.

    Es wird daher in der Regel eine Urinprobe benötigt, um die Bakterien zu erkennen und entsprechende Medikamente einsetzen zu können. Neben dem Fieber setzen mittlere bis starke Nierenschmerzen ein. Wobei es besonders schwierig wird, eine chronische Nierenbeckenentzündung zu diagnostizieren, weil die Symptome abklingen und nur noch sporadisch einsetzen. Allerdings gesellen sich dann in manchen Fällen noch Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit zu den üblichen Symptomen hinzu.

    Hausmittel, welche diese Krankheit komplett heilen, gibt es nicht. Es gibt lediglich welche, um die Symptome etwas zu lindern. Ein Arztbesuch ist unbedingt erforderlich, da die Medikamente die man gegen eine Nierenbeckenentzündung einnehmen sollte, nicht rezeptfrei zu erhalten sind.

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