Glutamin Erfahrungen

Glutamin ist eine nicht-essentielle Aminosäure, die von allen Körperzellen benötigt wird und zwischen 30 und 35 Prozent des Bestandes an Aminosäuren-Stickstoff-Verbindungen in unserem Blutplasma ausmacht. Auch in der Muskulatur, im Gehirn, in der Leber sowie im Magen und Darm befinden sich große Mengen Glutamin.

Unter normalen Umständen produziert der menschliche Körper von sich aus genügend Glutamin um den physiologischen Bedarf zu decken. Zusätzlich zum körpereigenen Glutamin nimmt jeder Mensch täglich zudem zwischen fünf und zehn Gramm dieser Aminosäure mit der Nahrung auf.

Besonders Quark, Fleisch, Fisch, Weizen, Soja und Bohnen sind reich an Glutamin. Metabolischer Stress führt zu Glutaminverarmung in Belastungen aus, dann kann der Bedarf an Glutamin nicht mehr schnell genug durch die körpereigene Produktion gedeckt werden.

Denn bei metabolischem Stress, der zum Beispiel durch viel Sport, Fastenkuren, Verletzungen, Infektionen, Operationen, Krankheiten wie Krebs, Magen-Darm-Probleme oder Herzerkrankungen hervorgerufen wird, fällt der Glutamingehalt in den Zellen des menschlichen Körpers um die Hälfte und im Blutplasma um etwa ein Drittel ab. In diesen Fällen von Glutaminverarmung muss die Aminosäure künstlich – zusätzlich zur normalen Ernährung – als Nahrungsergänzungsmittel von außen zugeführt werden.

Besonders bei Sportlern, vor allem Gewichthebern und Bodybuildern, wird die zusätzliche Einnahme von Glutaminpräparaten immer populärer. Denn die Aminosäure stärkt das Immunsystem, fördert den Muskelaufbau und reduziert die Symptome von Übertraining erheblich. Übertraining ist die Folge von einem hohen Trainingsvolumen oder einer zu hohen Trainingsfrequenz sowie fehlender Regenerationszeit für den Körper. Die Folge davon können Müdigkeit, Übelkeit, Despressionen sowie eine generell geringere Leistungsfähigkeit beim Sportler sein.

Glutamin ist wichtig für den Gewebestoffwechsel

Die Wirkweise und Bildung von Glutamin im Körper ist kompliziert. Sir Hans Krebs untersuchte sie im Jahr 1935. Während intensivem Training oder anderen bereits oben aufgeführter Stresssituationen wird der Körper katabol. Das heißt, der menschliche Körper benötigt Energie, die er aus Proteinen gewinnt. Diese Proteine werden dabei die in ihre Bestandteile – die Aminosäuren – zersetzt.

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Dadurch entsteht ein genereller Mangel an Aminosäuren im Organismus. Allerdings wird bei diesem Prozess Ammoniak freigesetzt, eine Verbindung aus Stickstoff und Wasserstoff. Die Folge davon ist ein Stickstoffüberschuss, da die Aminosäuren ihn nicht mehr über den Blutkreislauf abtransportieren können. Körpereigenes Glutamat, ein Anion der Glutaminsäure, nimmt dieses Ammoniak schließlich auf.

Aus Glutamat und dem freiem Ammoniak wird dann neues Glutamin synthetisiert, das eine lebenswichtige Rolle im Gewebestoffwechsel spielt. Denn würde Glutamin dem Körper nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, dann würde das Ammoniak die Zellen angreifen und beschädigen. Die Folge davon wäre ein Muskelabbau.

Studien belegen anabole Wirkung von Glutamin

Eine 1996 veröffentlichte Studie zeigt, dass die Supplementierung von Glutamin, also die zusätzliche Aufnahme der Aminosäure über spezielle Sportlernahrung, den Abbau von Muskelproteinen verringert. Eine neuere Studie bestätigt dieses Ergebnis. Sie zeigt auf, dass Glutamin beim Erhalt der Muskeln hilft. Daher wird es auch Muskelnahrung genannt. Es verhindert nicht nur den Abbau von Aminosäuren, sondern fördert auch die Neubildung von Proteinen.

Das funktioniert aber nur dann, wenn dem Körper auch bei starker Belastung mehr Glutamin zur Verfügung steht, als er verbraucht. Denn dann kann mehr Wasser im Zellkörper eingelagert werden und das Volumen der Zelle wird vergrößert, wodurch der Muskel wiederum besser mit allen nötigen Nährstoffen und Aminosäuren versorgt werden kann. Schlussendlich führt dieser Prozess dazu, dass der Muskel wächst.

Perfekter Schutz für das Immunsystem

Glutamin wirkt sich nicht nur positiv auf den Muskelaufbau aus, sondern unterstützt auch die Regeneration nach dem Training. Durch den schnellen Abtransport des schädlichen Stickstoffs werden Ermüdungszustände sowie muskuläre Schäden gemindert und die Leistungsfähigkeit gesteigert. Auch das Immunsystem wird durch das Glutamin gestärkt. Denn die Aminosäure unterstützt nicht nur die Energieversorgung der Muskeln, sondern auch anderer Zellen, darunter zum Beispiel die Lymphozyten, T-Zellen und Markrophagen.

Auch bei ihnen sorgt metabolischer Stress für Glutaminverarmung. Zu niedrige Glutaminwerte, die zum Beispiel auch die Folge von zu intensivem Training sein können, erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit an viralen oder bakteriellen Infektionen zu erkranken, vor allem Infektionen in den oberen Atemwegen wie Erkältungen und Grippe. Denn ein geringer Glutamingehalt im Blut und in den Zellen verringert die Produktion der T-Zellen. Außerdem hindert das die Makrophagen daran, gegen Bakterien und Viren zu bekämpfen.

Im Jahr 1996 führte die Oxford University eine Studie mit 150 Marathonläufern durch. Ein Teil der Sportler bekam nach dem Rennen fünf Gramm Glutamin, der andere Teil ein Placebo. Diejenigen, die das Placebo bekamen, wurden im Anschluss an das Rennen doppelt so häufig krank. Wer intensiv trainiert, sorgt also durch die zusätzliche Einnahme von Glutamin dafür, dass er durch die Stärkung des Immunsystems gesund bleibt und folglich häufiger trainieren kann.

Glutamingabe verbessert Gesundheitszustand bei schweren Krankheiten und nach Operationen

Es ist ebenfalls bewiesen, dass die zusätzliche Gabe von Glutamin bei der Genesung nach Operationen sowie schweren Krankheiten oder Verletzungen förderlich ist. Es verbessert den Heilungsprozess und verkürzt den Krankenhausaufenthalt. Die zusätzliche Einnahme von Glutamin verringerte zudem den Stickstoffgehalt im Blut und verbesserte die Darmbewegung. Aufgrund der positiven Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt bekommen auch Personen mit Problemen in diesem Bereich zusätzlich Glutamin supplementiert. Dadurch werden Verdauungsstörungen, Durchfall und Symptome bei entzündlichen Darmerkrankungen vermindert.

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Die Besserung dieser Beschwerden hängt damit zusammen, dass Glutamin generell eine wichtige Rolle bei der Darmgesundheit spielt: Es sorgt unter anderem dafür, dass die Darmbarriere aufrechterhalten wird. Die Einnahme von Glutamin kann also auch die ungewünschten Nebeneffekte zum Beispiel einer Chemotherapie erheblich mindern. Auch auf andere Krankheiten hat Glutamin einen positiven Einfluss. Dazu gehören unter anderem Morbus Crohn, HIV, Angina, Erkrankungen der Leber, einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel und Alkoholismus. Zudem verbessert es die Gehirnfunktion und die Bildung von Glykogen.

Glykogen wird zur schnellen Speicherung und Bereitstellung von Glucose benötigt. Des Weiteren gibt es unter Wissenschaftlern unzählige weitere Spekulationen zur Wirkung von Glutamin. Einige gehen davon aus, dass mit der Aminosäure auch Depressionen, Angstgefühlen, Schizophrenie und Schlaflosigkeit erfolgreich behandelt werden können. Und selbst als Mittel zum Fettabbau und damit zur Gewichtsreduzierung ist im Glutamin im Gespräch. Wissenschaftlichen Studien, die auf Behandlungserfolge bei diesen Problemen hinweisen, liegen allerdings bis jetzt kaum bis gar nicht vor.

Weitgehend nebenwirkungsfreies Supplement

Glutamin als Nahrungsergänzungsmittel gibt es in diversen Ausführungen: Kautabletten, Kapseln und Pulver für Shakes sind besonders verbreitet. Außerdem ist es zur künstlichen Ernährung in medizinischen Lebensmitteln erhalten. Die Dosierungsempfehlungen reichen von vier bis 21 Gramm pro Tag. Die Einnahme wird gewöhnlich über den Tag hinweg verteilt. Sportler sollten nach dem Training fünf Gramm zu sich nehmen um optimal von der Wirkweise des Glutamins zu profitieren.

Denn so beugen sie dem Proteinmangel in den Muskelzellen vor und verzögern Ermüdungszustände. Glutamin ist eines der wenigen nahezu risikofreien Supplements, da es sich um eine natürliche, körpereigene Aminosäure handelt. Es sind nur geringfügige Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Magenverstimmungen, Verstopfung und Blähungen bekannt.

Diese treten aber in der Regel nur bei der Einnahme von mehr als 21 Gramm Glutamin auf. Auch wenn die Glutamin als sicher gilt, sollten Diabetiker, an Krebs erkrankte, Schwangere und junge Mütter, die noch in der Still-Phase sind, sowie Menschen mit Lebererkrankungen, Schlaganfällen oder Epilepsie zunächst mit einem Arzt sprechen bevor sie Glutaminpräparate einnehmen.

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