Gicht Symptome und Behandlung

Aus dem historischen „Zipperlein“ der Begüterten ist heute eine weit verbreitete Wohlstandserkrankung geworden. Mit der Angleichung der Ernährungsgewohnheiten aller Schichten haben sich die früheren sozialen Unterschiede auch in der Häufigkeit der Gicht verwischt. Die Allgemeinerkrankung Gicht ist eine Erkrankung der Allgemeinheit geworden.

Was ist Gicht?

Die Gicht ist im medizinischen Sinne ein Sammelbegriff für eine Stoffwechselstörung sowie deren Folgekrankheiten. Ursache ist dabei immer ein erhöhter Harnsäure-Spiegel.

Unter den Begriff Gicht fallen die Stoffwechselstörungen Hyperurikämie (Erhöhung des Harnsäure-Spiegels), der Gicht -Anfall verschiedener Gelenke, meist des Großzehengrundgelenkes sowie die Ablagerung von Harnsäurekristallen in verschiedenen Geweben.

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Männer sind von der Gicht wesentlich häufiger betroffen als Frauen. In den sogenannten Industriestaaten haben etwa 20 % der Männer einen erhöhten Harnsäure-Spiegel. Je höher dieser Harnsäure-Spiegel ist, desto größer ist die Gefahr, einen Gicht -Anfall, d. h. eine Entzündung eines Gelenkes zu bekommen. Oft tritt der erste Gicht -Anfall im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf. Die Gicht geht in vielen Fällen mit Übergewicht, Zuckererkrankung (Diabetes mellitus), erhöhten Blutfett-Werten und Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) einher. Bei Manifestation dieser Erkrankungen spricht man vom metabolischen Syndrom.

Wie entsteht Gicht?

Die Gicht entsteht durch einen erhöhten Harnsäure-Spiegel im Blut. Harnsäuren werden sowohl mit der Nahrung aufgenommen, können aber auch im Körper hergestellt werden. Zum größten Teil wird die Harnsäure über die Nieren ausgeschieden, so dass häufiger Nierensteine oder Blasensteine durch die Gicht hervorgerufen werden. Da Harnsäuren bei der Gicht auch in das Gewebe abgelagert werden, spricht man von sogenannten Gichtknoten oder Tophi.

Obwohl die Disposition zur Gicht genetisch (angeboren) bedingt ist, bedarf es auslösender exogener (äußerer) Faktoren, um zu einem Gichtanfall zu führen.

Wie stellt sich die Gicht bei der Untersuchung dar?

Der typische Gichtkranke ist ein übergewichtiger Mann der „zu gut lebt“. Nur in ca. 4 % aller Gicht -Anfällen trifft es untergewichtige athletische oder sportliche Menschen.

Die Gicht wird in 3 Stadien eingeteilt

Stadium 1:

Die sogenannte Prä- Gicht ist ohne Symptome. Es findet sich eine leichte Erhöhung der Harnsäure im Blut, die sogenannte Hyperurikämie.

Stadium 2:

Im 2. Stadium, der sogenannten manifesten Gicht, kommt es bei deutlich erhöhten Harnsäure-Werten im Blut zu wiederkehrenden aber auch akuten Gicht -Anfällen mit Zeiten, in denen das Leiden weitgehend symptomfrei fortschreitet.

Stadium 3:

Im Stadium 3 kommt es zu sogenannten Ablagerungen in Haut und Gelenken, sogenannten Tophi. Es kann zu einer chronischen Arthritis (Entzündung der Gelenke) kommen.

Die jugendliche Gicht zeigt sich nicht selten zuerst als Gichtnephropathie (Ablagerung von Harnsäure-Kristallen in der Niere). Gelenkbeschwerden kommen erst später vor. Der erste Gichtanfall ist in ca. 2/3 auf ein einzelnes Gelenk beschränkt. In der Hälfte der Fälle ist dies das Großzehengrundgelenk. Dies wird bei der Gicht als Podagra bezeichnet. Nachts, nach einem opulenten Mahl oder auch tagsüber treten plötzlich oder im Laufe von wenigen Stunden sich stark steigernde Schmerzen im Großzehengrundgelenk auf. Es kommt zu starken Schwellungen mit Rötung und deutlicher Überwärmung. Bei dem akuten Gichtanfall ist das Großzehengrundgelenk kaum noch beweglich, selbst leiseste Berührungen werden kaum ertragen. Es kann zu Fieber bis zu 39° C kommen. Das Allgemeinbefinden ist stark beeinträchtigt. Morgens lassen die Schmerzen dann meist etwas nach.

Der akute Gicht -Anfall dauert meist 3 bis 4 Tage, manchmal auch länger, in schweren Fällen sogar Wochen.

Beim Abklingen der entzündlichen Erscheinungen schält sich die Haut in feinen Schuppen ab. Eine gering erhöhte Schmerzempfindlichkeit kann bei der Gicht noch wochenlang bestehen. Die Gelenkfunktion wird beim ersten Anfall nicht gestört.

Häufig sind die Gichtanfälle im Frühjahr. Vorboten sind oft Arthralgien (Gelenkbeschwerden), Meteorismus (vermehrte Darmgasbildung) oder Obstipation (Verstopfung). Je länger die Gicht besteht, umso häufiger werden die Anfälle.

Nicht immer ist das klinische Bild so typisch. Es können auch nur leichte Schwellungen auftreten, oft sind die allgemeinen Reaktionen nur gering ausgeprägt.

Gicht -Anfälle können aber auch durch verschiedene Medikamente, z. B. harntreibende Medikamente, oder Fasten auftreten. Ebenfalls können Krankheiten wie Nierenerkrankungen, Tumore, Blutarmut oder eine Zuckerkrankheit die Gicht auslösen, ebenso Stress. Häufig tritt ein akuter Gicht -Anfall vor freudigen Ereignissen oder am Anfang eines Urlaubs auf.

Wie bereits oben beschrieben, tritt die Gicht am häufigsten am Großzehengrundgelenk auf, kann aber in abnehmender Häufigkeit auch am oberen Sprunggelenk, den Handgelenken, Kniegelenken, Fingergelenken, Ellenbogengelenken, Schultergelenken sowie Daumengrund- und –sattelgelenken auftreten.

Neben dem typischen Gicht -Anfall gibt es auch weniger bekannte Orte, an denen die Gicht auftreten kann, häufig am Schleimbeutel am Ellenbogengelenk sowie auf der Kniescheibe. Auch können im Bereich der Sehnenansätze in den Weichteilen der Fingerspitzen und Zehen Gichttophi (Gichtknoten) festgestellt werden.

Laborchemisch wird ihr Arzt in den meisten Fällen bei Gicht, insbesondere beim akuten Gicht -Anfall, einen erhöhten Harnsäure-Spiegel im Blut feststellen. Die Blutsenkung ist während des akuten Gicht -Anfalls meist deutlich beschleunigt. Oft findet sich eine sogenannte Leukozytose. Dies ist eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen im Blut.

In seltenen Fällen muss bei Gicht eine Gelenkpunktion durchgeführt werden. Man findet dabei eine getrübte Gelenkflüssigkeit sowie massenhaft eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen, die sogenannten neutrophilen Granulozyten. Häufig sind dann unter dem Mikroskop Harnsäure-Kristalle festzustellen. Oft kann bei den Laboruntersuchungen im akuten Anfall keine erhöhte Harnsäure-Konzentration im Blut gefunden werden, dafür sind die Entzündungswerte deutlich erhöht.

Bei bestimmten Erkrankungen wird Ihr Arzt zusätzlich noch Röntgenuntersuchungen durchführen lassen, um evtl. Langzeitschäden der Gelenke festzustellen.

Bei der chronischen Gicht -Arthritis (Gelenkentzündung) sind Ablagerungen von Harnsäure-Kristallen in den Knorpelanteilen der Gelenke zu finden. Dies führt zu Zerstörungen der Gelenkflächen, es kommt zu chronischen Beschwerden an den Gelenken. Meistens sind die Gelenke bei der Gicht nie von einem akuten Anfall betroffen gewesen. Man kann feststellen, dass je älter der Patient bei Manifestation der Gicht war, umso geringer sind die Gelenkveränderungen. Bei älteren Menschen sind häufig nur Hände und Füße allein betroffen.

Sehr bekannt sind bei der Bevölkerung die sogenannten Gichttophi. Dies sind Ablagerungen von Harnsäure-Kristallen im Weichteilgewebe, häufig im Bereich der Großzehengrundgelenke, an der Ohrmuschel, den Händen und Füßen, am Ellenbogengelenk sowie in der Umgebung des Kniegelenks. Die Gicht -Knoten können besonders an Hand und Fuß sehr störend und schmerzhaft sein. Oft brechen diese Gichttophi in die Gelenke ein und führen zu einer deutlichen Verschlimmerung der Schmerzen an den Gelenken. Auch können chronische Entzündungen bestehen. Der sogenannte Tophus ist selten das erste Zeichen der Gicht, erst später treten diese auf. Selten finden sich Ablagerungen im Bereich des Herzens, am Kehlkopf, in den Augen oder den Herzklappen, häufig sind diese im Bereich der Achillessehne sowie an den Nieren.

Röntgenologisch finden sich im späteren Stadium bei der Gicht charakteristische Röntgenbefunde. Es zeigen sich kreisförmige Defekte im Bereich der Gelenke. Oft werden auch Ausziehungen im Bereich des Knochens gefunden. Meist sind die Veränderungen am Knochen bei Gicht gut von anderen Verschleißerkrankungen oder von rheumatischen Erkrankungen zu unterscheiden.

Die Gicht zeigt sich aber nicht nur im Bereich der Gelenke, sondern kann, wie oben bereits erwähnt, auch im Bereich der Nieren, am Auge oder am Herzen auftreten. Begleiterkrankungen bei der Gicht sind oft das Übergewicht, häufig kommen Fettstoffwechselstörungen vor, ebenso ein erhöhter Blutdruck sowie eine Zuckererkrankung.

Bei der Untersuchung durch Ihren Arzt muss dieser nach gründlicher Befragung und Untersuchung auch andere Erkrankungen ausschließen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen können. Hier kommen z. B. entzündliche oder bakterielle Gelenkentzündungen in Frage, aber auch das rheumatische Fieber, Gelenkbeschwerden bei Schuppenflechte oder akute Schübe einer chronischen Polyarthritis. Ähnliche Beschwerden kann aber auch die Polyarthrose (Verschleiß an vielen Gelenken) sowie Sehnenentzündungen und Reizungen gedacht werden.

Gicht Beschwerden
Gicht Beschwerden

Wie wird die Gicht behandelt?

Man muss zwischen der Therapie des erhöhten Harnsäure-Spiegels und der Therapie des akuten Gichtanfalls unterscheiden. Ziel der Therapie ist es, den Harnsäure-Spiegel zunächst auf Normalwerte zu senken. Hier ist der Arzt auf die Mitarbeit des Patienten angewiesen. Der Patient sollte wissen, dass die Gicht ein Risiko für seine Gesundheit darstellt. Hier kann jeder selbst durch eine vernünftige Lebensweise den Auswirkungen der Gicht entgegenwirken.

Zunächst sollte der Patient alles meiden, was die Erhöhung der Harnsäure im Blut fördert. Hier steht an erster Stelle die Gewichtsreduktion sowie eine entsprechende Diät. Eine intensive Beratung erfolgt durch die Diätassistenten. Insbesondere sollte auf Innereien, z. B. Leber, Niere, Bries oder auch Sardellen verzichtet werden, ebenso auf übermäßigen Genuss von Bier, Wein oder anderen alkoholischen Getränken.

Mit der Umstellung der Ernährungsgewohnheiten sollte eine Umstellung der Lebensweise verbunden werden, mit ausreichender Bewegung und körperlicher Belastung.

Medikamentös sollte der Harnsäure-Spiegel bis unter 7,5 mg % gesenkt werden. Es sollte auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, um bereits bestehende Ablagerungen in Niere und Blase schnell wieder auszuspülen.

Beim akuten Gicht -Anfall sollen zunächst möglich schnell die Schmerzen gelindert werden, hier werden entzündungshemmende Schmerzmittel, Kolchizinpräparate sowie kühlende Umschläge eingesetzt, evtl. auch Entlastung des entsprechenden Gelenkes durch Hochlagerung.

Über die verschiedenen medikamentösen Formen zur Senkung der Harnsäure-Werte bei Gicht sollte mit dem Arzt Rücksprache genommen werden.

Die vererbte Neigung zu einem erhöhten Harnsäure-Spiegel kann nicht ursächlich behandelt werden. Werden aber die therapeutischen Maßnahmen sowie eine regelmäßige Medikamenten-Gabe beachtet, nimmt die Gefahr eines Gichtanfalls deutlich ab. Oft können so schwere Gelenkveränderungen vermieden werden.

Die Gicht sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da neben Gelenkbeschwerden auch irreversible (unveränderliche) Gelenk- und Nierenerkrankungen auftreten können. Es ist in jedem Fall sinnvoll und notwendig, eine frühzeitige Erkennung der Gicht und eine konsequente Behandlung durchzuführen.

Wenn bereits Veränderungen an den Gelenken aufgetreten sind, entsprechen die Behandlungen in der Regel denen der degenerativen (verschleißbedingten) Gelenkerkrankungen.

Siehe hier auch die Artikel zu Verschleißerkrankungen an Hüft- und Kniegelenken (Coxarthrose und Gonarthrose).

Therapeutisch werden hauptsächlich krankengymnastische Übungen zur Muskelkräftigung und zur Erlernung eines rücken- und gelenkgerechten Verhaltens durchgeführt, ergänzt durch physikalische Maßnahmen, um chronische Schmerzen bei Gicht zu lindern. Hier können sowohl Wärme- als Kälte-Anwendungen eingesetzt werden. Ebenso wichtig ist eine ergotherapeutische Behandlung (Beschäftigungstherapie), hier können gelenkschützende Verfahren ein Fortschreiten der Gicht -Erkrankung verhindern. Wenn nötig wird auch eine Hilfsmittelversorgung durchgeführt.

Lesetipp: Kollagen Hydrolysat nur bei Arthrose und Gelenkverschleiß?

Wie bereits oben beschrieben, ist die Ernährungsberatung sehr wichtig, um zu einer gesunden Lebensführung zurück zu finden.

In der Sporttherapie wird versucht, geeignete sportliche Betätigungen zu finden, um wieder Freude an der Bewegung zu bekommen. Sehr gut einsetzbar ist hierbei das Stick-Walking. Es handelt sich um ein schnelles Spazierengehen mit Teleskopstöcken. Dadurch werden die geschädigten Gelenke entlastet.

Gezielt kann auch die Medizinische Trainings-Therapie (gezielter Muskelaufbau) an Fitnessgeräten eingesetzt werden.

Der Internist wird wenn nötig die medikamentöse Behandlung nach ausführlicher Untersuchung und Abwägung aller Möglichkeiten mit dem Patienten besprechen und ansetzen.

Durch unsere Küche, die Ernährungsberatung sowie ein Übungsprogramm in der Lehrküche kann ein an die Gicht angepasstes Ernährungsprogramm erarbeitet werden. Dies ist genauso abwechslungsreich und gesund wie für Nicht – Gicht – Kranke.

Sollten Sie zu erhöhten Harnsäure-Werten bei Gicht oder auch schon manifesten Veränderungen an den Gelenken leiden, sind alle die o. g. Möglichkeiten und Therapien in der orthopädischen Abteilung der Klinik am Homberg möglich. Wir wollen mit Ihnen zusammen eine Linderung der Beschwerdesymptomatik erreichen und Ihnen Möglichkeiten zu einer gesunden Lebensführung aufzeigen.

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