Fenchel (Foeniculutn Vulgare)

Der Fenchel ist eine uralte Heilpflanze. Hippokrates, Dioskurides und Paracelsus benutzten die Pflanze als milchtreibende Medizin sowie bei Hunde- und Schlangenbissen. Plinius berichtete, daß sich die Schlangen, nachdem sie ihre Haut abgestreift hatten, mit Fenchelsaft die Augen stärkten, was auch gut für den Menschen sei.

Die heilige Hildegard behandelte ihre Patienten mit Fenchel, wenn sie verschleimt waren; und im Mittelalter wurde dem Fenchel das Gedicht gewidmet: »Dem Fieber und dem Gifft kan Fenchel widerstehen / Er macht den Magen rein, und dient recht hell zu sehen.«

Die Griechen hielten Fenchel für ein erotisch stimulierendes Kraut, und in manchen Gegenden Deutschlands ist die Pflanze bis in unser Jahrhundert als Aphrodisiakum angesehen worden. In einer 1571 in Frankfurt veröffentlichten Aberglauben-Sammlung ist nachzulesen: »Der alter Weiber Philosophey sagt vom Fenchel: So ein schwanger Fraw ir Kind mehr in der rechten Seiten tregt und gern Fenchel und Gevögel is-set und hört gern von Ritterspiel sagen, so treg’t sie ein Sohn.«

Pfarrer Kneipp schreibt: »Die Fenchelkörner dürfen in keiner Hausapotheke fehlen, da das Leiden, in welchem sie Hilfe schaffen, gar so häufig vorkommt; ich meine die Kolik mit ihrer Begleitschaft, den krampfartigen Zuständen. Schnell siede die Mutter ein Löffel voll Fenchel in einer Tasse Milch fünf bis zehn Minuten lang und gebe den Heiltrank dem Kranken so warm wie möglich.«

Zur inneren Anwendung eignet sich am besten der Fencheltee, ein halber bis ein Teelöffel voll Samen auf eine Tasse Wasser, überbrühen und ziehen lassen. Dieser Tee sollte vor den Mahlzeiten heiß getrunken werden, da er weitaus besser schmeckt als kalter Fencheltee, obwohl die Wirkung dieselbe ist. Fencheltee ist windtreibend, bekämpft schnell und nachhaltig Verdauungsstörungen, hilft bei Magenbeschwerden und wirkt beruhigend und stärkend.

Aus Kraut und Samen kann ein Absud hergestellt werden, der harntreibende Eigenschaften besitzt und bei Nierenentzündungen angewendet werden kann, außerdem ist er als Gurgelwasser ein schmerzlindernder und heilender Naturstoff bei Halsentzündungen.

Gegen Augeninfektionen hilft ein Mazerat aus Fenchelsamen. Zehn Teile destilliertes Wasser mit zwei Teilen 45prozentigem Alkohol vermischen und darin den Fenchelsamen eine Stunde lang ziehen lassen. Mit dieser Flüssigkeit die Augen täglich mehrmals auswaschen. Breiumschläge, aus Blättern und Blüten in einem Mörser zubereitet, helfen gegen Stauungen in den Brüsten.

Fenchelöl darf nur auf Anweisung des Arztes angewendet werden. In zu hoher Dosierung kann Fenchelöl Erregungszustände verursachen und Halluzinationen auslösen; in der Schwangerschaft kann eine Fehlgeburt die Folge sein. Dazu muß noch angemerkt werden, daß diese Symptome nur durch das aus den Fenchelsamen isolierte Fenchelöl verursacht werden. Kraut und Samen mit ihrer Vielfalt von Wirkstoffen sind auch in höherer Dosis unschädlich.

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Der Fenchel ist eine zweijährige Pflanze, die bis zu zwei Meter hoch werden kann. Die Pflanze wird meist feldmäßig oder in Gärten angebaut, kommt aber vielfach in felsigem Gelände aud auf kalkhaltigem Boden auch verwildert vor, wächst aber nicht in großen Mengen wild. Die Wurzel ist spindelförmig, der Stengel stielrund und fein gerillt.

Die Blätter sind sehr fein zerteilt, also drei- bis mehrfach gefiedert und mit pfriemartigen Zipfeln. Die Blüten sind gelb und stehen in zehn- bis zwanzigstrahligen Dolden, die Früchte sind gelbbraun und haben charakteristische braune Ölstriemen. Blütezeit: Juli bis August.

Von der Heilpflanze werden heute eigentlich nur noch die Samen verwendet, die gut reif geerntet werden müssen. Erntezeit: Anfang bis Ende September des zweiten Jahres, je nach Lage und Witterung früher oder später. Die Samen sollten in einem schattigen Raum bei ständigem Luftdurchzug nachtrocknen.

Man sollte den Fenchel nicht sammeln, sondern entweder im eigenen Garten ziehen oder den Samen kaufen, denn der wild wachsende Fenchel kann leicht mit dem sog. Wasserfenchel verwechselt werden, der an Gräben und Sümpfen gefunden wird und der weitaus weniger wirksame Substanzen enthält.

Video: Fenchel Rezepte

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