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Brennessel (Urtica Dioica)

Brennessel

Im Altertum schrieb man der Brennessel eine stimulierende Wirkung zu. Petronius, der römische Dichter und Günstling Neros, berichtet, daß durch das Peitschen mit einem Brennesselstrauß die sexuelle Leistungsfähigkeit des Mannes gesteigert werden könne.

In den arabischen Ländern wird die Brennesselpeitsche heute noch gegen viele Leiden, hauptsächlich aber gegen Rheumatismus, angewendet. Der auf Heilpflanzen spezialisierte Arzt Dr. R. Fritz Weiß bedauert in seinem »Lehrbuch der Phytotherapie«: »Eine viel zu wenig bekannte und geübte Behandlung des Rheumatismus ist das Schlagen mit frischen Brennesseln. Es erscheint auf den ersten Blick heroisch, wird aber gut vertragen und immer wieder gelobt. Das in den Brennhaaren enthaltene Nesselgift tritt in die Haut ein und ruft ein wohliges, stundenlang anhaltendes Wärmegefühl hervor.

Besonders wirksam soll es bei Lumbago (Hexenschuß) und Ischias sein.« Bei dieser Therapie ist aber ein bestimmter Behandlungsablauf zu beachten. Sie darf nur einmal am Tag angewendet werden, und auch das nur drei Tage hintereinander, dann folgt eine dreitägige Pause. Nach der Behandlung darf der Körper nicht mit kaltem Wasser in Berührung kommen, da sonst das anhaltende Wärmegefühl verschwindet und statt dessen ein lästiges Brennen einsetzt. »Es handelt sich hier um eine besondere Art der Reiztherapie«, erläutert Dr. Weiß. Auch die oben erwähnte sexuelle Anregung ist vermutlich so zu erklären.

Die Brennessel, von den meisten Menschen als lästiges Unkraut mißachtet, ist eine vielseitige und eine der heilkräftigsten Arzneipflanzen. Ihre Inhaltsstoffe sind die Ameisensäure, Tannin, Histamin, viel Eisen und Chlorophyll, eine ganze Reihe von Mineralstoffen, pflanzliche Enzyme und Vitamin C.

Die Pflanze wirkt allgemein regenerierend und körperstärkend, weshalb sie bei keiner Frühjahrskur fehlen darf, ja sogar ihr wesentlicher Bestandteil sein sollte. Der hohe Eisengehalt der Brennessel fördert die Bildung der roten Blutkörperchen, die wiederum für eine ausreichende Sauerstoffzufuhr zu den Geweben sorgen. Die Pflanze enthält Reizstoffe, die auf Magen, Darm, Leber und Gallenblase günstigen Einfluß ausüben.

Die Brennesselkur wird mit Tee oder ausgepreßtem Saft durchgeführt, empfehlenswert ist auch Salat aus jungen Brennesseln, außerdem kann man Brennesseln wie Spinat zubereiten. Als vorzügliches Arzneimittel ist die Brennessel bei Rheuma und Gicht anzusehen; Brennesseltee bewirkt eine Verstärkung der Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren und ermöglicht eine Ausschwemmung der Harnsäure aus dem Gewebe. Bei Blasen- und Nierenleiden ist die harntreibende Wirkung von Nutzen, die von Harnsteinen verursachten Schmerzen werden gelindert.

Die Brennessel hilf bei Durchfall und Hämorrhoiden. Bei Frauen, die unter unregelmäßiger Menstruation leiden, bringt sie den monatlichen Zyklus wieder in Ordnung. Sie stillt auch Blutungen aus Nase und Wunden.

Bei Erkältungskrankheiten baut sie die lästige Verschleimung ab, und befreit die Atemwege. Bei Mundinfektionen und Zahnfleischentzündungen kann mit Brennesselabsud erfolgreich gegurgelt werden. Die Brennessel wird gegen Haarausfall angewendet. Geschätzt wird sie auch in der Schönheitspflege, da sie die Haut reinigt.

Als Heilpflanze ist sie seit dem Altertum bekannt. Hippokrates erwähnt den Heilwert der Pflanze, die heilige Hildegard verordnete sie regelmäßig bei vielen Krankheiten, Hieronymus Bock stellte die Brennessel an den Anfang seines großen Kräuterbuches und wunderte sich: »Auß der kalten rauhen erden schlieffen vil hitziger gewechs / des man sich wol mag verwundern / als fürnemlich die gemeine brennende Nessel.« Wegen ihrer brennenden Wirkung war die Brennessel immer schon gefürchtet, was der Pflanze im Aberglauben zwangsläufig große Bedeutungverschaffte.

War sie zum Beispiel einem Menschen wohlgesonnen, dann zog sie die Krankheiten auf sich und vernichtete sie mit ihrem Gift. Hatte das Vieh im Stall die Mauch (eine Fußkrankheit), dann mußten durch einen Zaun hindurch drei Brennesseln abgebrochen und dabei der Spruch aufgesagt werden: »Die eine ist für den Ochs, die andere ist für den Fuß, die dritte ist, die heilen muß.« In vielen Gegenden Deutschlands war die Brennessel ein magisches Abwehrmittel gegen Schädlingsbefall auf den Feldern. Vor der Aussaat mußte die Bäuerin noch vor Sonnenaufgang an den vier Ecken des Feldes je eine Brennessel in den Boden stecken. Heute verwendet man Brennesseljauche zur biologischen Schädlingsbekämpfung.

In Teilen Schwabens wurde am Gründonnerstag ein Salat aus Brennesseln gegessen, weil dann die betreffende Person das ganze Jahr über nicht an Geldmangel zu leiden hätte. In Ungarn werden noch heute gebietsweise in der Pfingstnacht ganze Büschel Brennesseln samt den Wurzeln ausgerissen und feierlich nach Hause getragen; dort werden die Tiere so lange damit geschlagen, bis nur mehr Stengel übrigbleiben. Die Bauern glauben, daß nun das ganze Jahr über die Tiere vor Hexen geschützt seien, da sie das Brennesselgift nicht vertragen könnten und deshalb gar nicht erst solch einen Stall betreten würden.

Die Brennessel ist eine ausdauernde Pflanze und wird bis zu eineinhalb Meter hoch. Der aufrechte Stengel ist dicht mit Brennhaaren besetzt, die Blätter sind gegenständig, gestielt, eiförmig bis länglich und haben einen gezähnten Rand. Die Blüten sind klein und grün und sitzen an lockeren Rispen. Blütezeit: Juni bis August. Die Brennessel wächst mit Vorliebe an Mauern, in Ruinen, auf Schuttplätzen, auf Ödland und an Wegrändern.

Gesammelt werden Blätter, Blüten und das junge Kraut, das am besten schon Ende April bis spätestens Mitte Mai geschnitten wird. Die Blätter werden kurz vor der Blüte gesammelt, Kraut und Blätter trocknen am vorteilhaftesten im Schatten auf einem Balkon oder in einem luftigen Raum. Zur Saftgewinnung kann die frische Brennessel bis tief in den Herbst hinein verwendet werden.

Brennesselkuren sollten bis zu einem Monat dauern. Zu Frühjahrskuren werden die Blätter verwendet, ein Teelöffel voll auf eine Tasse, die heiß vor den Mahlzeiten getrunken wird. Für alle anderen Leiden und Beschwerden, gegen die Brennesseln in der Selbstmedikation eingesetzt werden können, wird das gesamte Kraut verwendet: Ebenfalls einen Teelöffel voll auf eine Tasse Wasser und fünf Minuten lang kochen lassen, morgens, mittags und abends davon eine Tasse heiß und sehr langsam trinken. Der Absud wird zum Gurgeln und als Lotion zur Hautpflege verwendet; der Absud aus der Brennesselwurzel gilt als wirksames Mittel bei Haarausfall, muß aber über lange Zeiträume hinweg angewendet werden.

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