Baldrian (Valeriana officinalis)

Den Ärzten unter unseren Vorfahren sollten wir Bewunderung zollen. Der große Naturarzt Hufeland (1762-1836) schreibt über den Baldrian: »Er ist eines der besten Nervenmittel, die ich kenne, zur Stärkung und Regulierung des Nervensystems, wo er als Tee, am Morgen und Abend, täglich getrunken wird. Ich habe dadurch langwierige Nerven-schäden, Hysterie und Krämpfe aller Art verschwinden sehen.«

Um solche Feststellungen zu treffen, war Hufeland auf seine eigenen Beobachtungen und auf die Überlieferungen der Volksmedizin angewiesen. Jetzt wurde die Heilpflanze vom Institut für pharmazeutische Arzneimittellehre der Universität München wissenschaftlich analysiert. Dabei wurden Hufelands Beobachtungen bestätigt.

Baldrian was ist das? Baldrian ist tatsächlich eines der effektvollsten pflanzlichen Beruhigungsmittel und zudem in der Selbstbehandlung vielseitig anwendbar. Die Heilpflanze baut Erregungs- und Spannungszustände ab, beseitigt nervöse Störungen aller Art – nervöse Kopfschmerzen, nervös bedingte Verdauungsstörungen-, und sie hilft bei klimakterischen Beschwerden und bei Depressionen.

Besonders wirkungsvoll ist der Baldrian als Einschlafmittel. Vor allem Menschen, die infolge nervöser Erschöpfung und geistiger Überarbeitung unter Schlafstörungen leiden, sollten immer Baldriantinktur in ihrer Hausapotheke vorrätig haben.

Was bewirkt Baldrian? Bei Frauen mildert Baldrian Erregungszustände während der Periode, und viele Ärzte verordnen ihn auch gegen die Beschwerden der Wechseljahre. Die Hauptinhaltsstoffe des Baldrians sind zwei Alkaloide, Valerin und Chatinin, Gerbstoff, ein ätherisches Öl, aus dem die Valeriansäuren gewonnen werden, sowie Valepotriate.

Diese Valepotriate sind die beruhigenden Wirkstoffe, zusätzlich haben sie eine krampflösende Wirkung -eine Tatsache, die früheren Generationen auch ohne exakte Analyse bekannt war. Wichtig ist auch, wie die Forscher bei ihren Untersuchungen ebenfalls feststellten, daß die Valepotriate eine zwar beruhigende und krampflösende Wirkung haben, jedoch nur in Verbindung mit dem ätherischen öl der Pflanze und nur in dem speziellen Verhältnis zueinander, wie diese Inhaltsstoffe in der Heilpflanze Vorkommen.

Wenn man die Wirkstoffe der Pflanze einzeln anwendet, zeigen sie nicht die gleiche Wirkung wie in ihrem natürlichen Zusammenhang. Dr. Weiß schreibt dazu in seinem »Lehrbuch der Phytotherapie«: »So hat sich der Baldrian geradezu als Musterbeispiel dafür erwiesen, daß… kein einheitlicher Wirkstoff zu finden ist, sondern daß erst das Zusammenwirken verschiedener Pflanzenwirkstoffe den therapeutischen Effekt ergibt. «

Die Heilpflanze war bereits den griechischen und römischen Ärzten des Altertums bekannt. Sie wurde als erwärmendes, harntreibendes und menstruationsfördendes Medikament angewendet, das auch gegen Seitenstechen und als Gegengift wirksam sein sollte. Die beruhigende Wirkung war damals anscheinend noch nicht bekannt. Die heilige Hildegard und Paracelsus betrachteten Baldrian als wertvolle Heilpflanze, und im Mittelalter wurde ihm eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben.

Baldrian Blüte
Baldrian Blüte

Eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert aus dem Schloß Wolfsthurn bei Sterzing in Südtirol überliefert: »Wilter (willst du) gute freuntschaft machen under manne und under Weibe, so nym valerianun und stosz die czu pulver und gib ins czu trinken in Wein.«

Im Volksglauben war Baldrian bis weit ins 19. Jahrhundert, manchmal auch noch länger, ein hilfreiches Mittel gegen Hexen und die Pest. Philippine Welser, die Gattin des Erzherzogs Ferdinand von Tirol (Mitte des 16. Jh.), hatte ein Rezeptbuch zur Behandlung von Krankheiten verfaßt, in welchem sie riet, aus der Baldrianwurzel ein Pestwasser zu destillieren und gegen die Ansteckungsgefahr ständig eine Baldrianwurzel in den Mund zu nehmen.

Die stark riechende Wurzel sollte auch Geister und den Teufel vertreiben. In Franken und in Hessen galt der Spruch: »Baldrian, Dost und Dill, kann die Hex’ nicht, wie sie will.« Wenn eine Kuh kalbte, bekam sie drei Eimer Wasser zu saufen, worin Baldrian, Dost und Dill vermischt waren. Baldrianpflanzen wurden auch in den Wohnstuben der Bauernhäuser an die Decke gehängt, weil das Kraut sich angeblich bewegte, wenn eine Hexe eintrat.

Der Baldrian wächst in ganz Mitteleuropa in Wäldern, auf feuchten Wiesen und an Flußufern, kann aber auch in Hausgärten gezogen werden. Er gedeiht auf humosem und auch auf sandigem Boden. Die Staude wird zwischen 30 und 170 cm hoch, der gefurchte Stengel steht aufrecht, die Blätter sind unpaarig-gefiedert, die Blüten weiß bis hellrotlila. Der Wurzelstock ist kurz und walzenförmig, die einzelnen Wurzeln sind rund und fingerlang, außen braun und innen weiß. Geerntet wird die Wurzel, Erntezeit ist September bis Oktober. Die frische Baldrianwurzel ist geruchlos, der charakteristische Baldriangeruch, der Katzen anlockt, bildet sich erst beim Trocknen.

Wie Baldrian einnehmen?

Verwendet werden Tee und Tinktur, wobei die Wirkung des Tees fast höher einzuschätzen ist. Für den Tee wird die getrocknete Wurzel fein zerrieben, der Tee wird aufgegossen, zwei Teelöffel voll auf eine Tasse. Baldriantee kann aber auch als Kaltmazerat getrunken werden, zwei Teelöffel voll mit einem Glas kalten Wassers übergießen und zehn bis zwölf Stunden stehenlassen, d.h., das morgens auf diese Weise zubereitete Getränk wird abends, das abends zubereitete am Morgen getrunken.

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Tee wird hauptsächlich genommen bei Schlafstörungen, bei Kopfschmerzen, bei klimakterischen Beschwerden und bei Spannungs- oder Erregungszuständen, er eignet sich auch für Kinder bei krampfartigen Schmerzen. Zur äußeren Anwendung (Muskelkrämpfe) empfiehlt sich Baldrianöl. Baldrianbäder wirken beruhigend. Baldriantinktur sollte man nicht selbst herstellen, sondern in der Apotheke kaufen. Wie viele Medikamente sollte auch Baldrian nicht ohne Unterbrechung über längere Zeit angewendet werden, da sonst Verstopfung und eine gewisse Gewöhnung eintreten können; alle drei Wochen sollte man eine Pause machen und eine andere Heilpflanze – z. B. Melisse – anwenden.

Video: Baldrian Tinktur herstellen

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Ein Kommentar

  1. Was bewirken Baldriantropfen bzw. Was bewirkt Baldrian im Körper?

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