Arnika – (Arnica montana)

Wenn Pfarrer Kneipp die Kanzel betrat, erwachten nicht nur die Schläfer in den letzten Kirchenbänken. In Bad Wörishofen raunte man einander zu, dass die Donnerstimme des Predigers selbst die Toten auf dem Friedhof zu erwecken vermöge – hatte doch der »Wasserdoktor« gar vielen das Leben gerettet, so dass sie gleichsam von den Toten auferstanden waren. Hilf ihm Arnika dabei?

Sebastian Kneipp wusste nicht nur die Heilkräfte des Wassers zu nutzen, er war zugleich ein Kenner der Heilpflanzen und ihrer Wirksamkeit. Diesem Wissen verdankte er auch seine ungebrochene Stimmkraft: »Wenn ihr Priester wäret und predigen müßtet, dann würde ich euch raten, vor der Predigt mit zwei bis drei Löffeln Arnikawasser zu gurgeln, und die Stimme wird um die Hälfte verbessert.« Er selbst hielt sich an dieses Rezept mit großem Erfolg – und nicht nur für sich.

Einmal kam ein Sänger von weither angereist und krächzte und klagte, er müsse betteln gehen, wenn er seine Stimme nicht wiedererlange. Inhaliert habe er Tag und Nacht, auspinseln habe er sich lassen mit Höllenstein, geholfen habe aber bisher nichts. Pfarrer Kneipp sprach ihm Mut zu, ver-anlaßte ihn, sich einer Arnikakur zu unterziehen, und notierte dann: »Der Sänger hat seine Glockenstimme wiederbekommen.«

Kneipp rühmte immer wieder die vielfältigen Wirkungen der Arnika. Einmal hatte ein bissiges Pferd den Arm eines Fuhrknechts böse zugerichtet. Kneipp berichtet: »Die Wunde wurde nun schleunigst ausgewaschen mit Wasser, an welches Arnikatinktur gegossen wurde, hernach wurden die zerrissenen Teile soviel wie möglich geordnet, daß sie an die richtige Stelle zu liegen kamen. Weiter wurden Kompressen in etwas verdünnte Tinktur getaucht und aufs sorgfältigste Überbunden, so daß nicht die geringste Luft an die Verwundung dringen konnte.

Es stellte sich kein Fieber ein, der Schmerz verschwand rasch, das losgerissene Fleisch wuchs wieder zusammen, und die Verwundung heilte, so daß sie kaum noch sichtbare Narben zeigte. Welches Mittel hätte mehr geleistet?« Kneipp berichtet weiter von der Heilung des Maurergesellen, der vom Gerüst gefallen war und sich dabei den rechten Schenkel derart gequetscht hatte, daß er keinen Schritt mehr gehen konnte, und von jener des Knechtes Karl, der Holz gehackt hatte, wobei ihm die Axt entfahren und im Fuße steckengeblieben war.

Er heilte mit Arnika die Wunden, die bissige Hunde gerissen hatten, er heilte Quetschungen und Blutergüsse und linderte Leibschmerzen mit Arnikaumschlägen.

Arnika – was ist das? Die Arnika ist das Musterbeispiel einer Heilpflanze mit Allgemein- und Breitenwirkungen, die den Heilungsprozeß des Körpers nicht nur anregen, sondern auch aktiv unterstützen; Arnika wirkt auf das Bindegewebe und zugleich auf das Nervengewebe, beeinflußt den Kreislauf günstig und somit auch die Herztätigkeit. Sie kann äußerlich und innerlich angewendet werden, innerlich allerdings nur auf ärztliche Anordnung, da Arnika, in einer Überdosis genommen, Schwindelgefühl, Magenkrämpfe und sogar schwere Herzstörungen verursachen kann.

Der Arnika erging es wie vielen anderen Heilpflanzen: Im Mittelalter war ihre Wirksamkeit allgemein bekannt, dann aber geriet sie mehr und mehr in Vergessenheit, nur die Bauern sammelten noch die Blüten oder zogen die Pflanze in ihren Gärten, bereiteten aus Wurzeln und Blüten eine Tinktur und verwendeten sie bei Quetschungen, Verrenkungen, Verstauchungen, Muskelschmerzen, Blutergüssen und Wunden, die dann schnell und sauber verheilten.

Erst in letzter Zeit ist die Arnika wieder neu entdeckt worden, und immer mehr Wissenschaftler befassen sich mit der Heilpflanze. In den Blüten, den Blättern und der Wurzel sind als Wirkstoffe Flavongluco-side, Arnicin, ätherische öle, Gerb- und Bitterstoffe und noch eine Reihe nicht näher bekannter Stoffe festgestellt worden, die sich mit Wasser oder anderen Lösungsmitteln ausziehen lassen (Extraktivstoffe).

Wie wirkt Arnika? Untersuchungen haben ergeben, daß diese Arnica-Flavonglucoside die Herzleistung steigern und die Sauerstoffverwertung fördern, also ein ernstzunehmender Wirkstoff für das Altersherz und gegen die Angina pectoris sind. Der auf Heilpflanzen spezialisierte Arzt Dr. Weiß berichtet in seinem »Lehrbuch der Phytotherapie« von einer Erfolgsquote von 72 bis 77 Prozent. Die belebende und herzberuhigende Wirkung stellt sich bereits nach dem Genuß von Arnikatee ein (von Goethe wird berichtet, daß er sich im Alter bei Herzbeschwerden Arnikatee zubereiten ließ), aber wie schon oben erwähnt, darf Arnikatinktur oder -tee nur auf Anordnung des Arztes eingenommen bzw. getrunken werden.

Wogegen hilft Arnika?

Unbedenklich dagegen ist die Selbstbehandlung bei Mandelentzündungen, Raucherkatarrh, Schleimhautentzündung des Rachens und bei Abszessen im Rachen. Es sollte alle halbe Stunde gegurgelt werden, entweder mit Arnikatee oder verdünnter Arnikatinktur, höchstens zehn Tropfen auf ein Glas warmes Wasser. Auch hier verbessert der Arnikawirkstoff die Ernährung des Gewebes, außerdem fördert er die lokale Abwehrbereitschaft der Schleimhaut. Bei Abszessen sollte die Dosis auf einen Teelöffel Tinktur je Glas erhöht werden, und es sollte so heiß gegurgelt werden, wie der Patient es vertragen kann.

Aber auch bei neuralgischen Beschwerden, bei Rheuma und Gicht sowie bei akuten Gelenkentzündungen hat sich Arnika bestens bewährt. Das gilt für akute Erkrankungen ebenso wie für chronische Leiden. Für Einreibungen und Umschläge wird verdünnte Tinktur verwendet, ein Eßlöffel voll auf einen halben Liter Wasser. Für die Behandlung von eitrigen Wunden, von Quetschungen, Zerrungen, Verstauchungen und Blutergüssen nimmt man drei bis vier Eßlöffel Arnikatinktur auf einen Liter Wasser.

Die Arnika ist eine relativ »junge« Heilpflanze. In den Schriften der Antike wird sie nicht erwähnt, der Name » Arnica« taucht erstmals im 14. Jahrhundert auf. 1612 berichtet der Botaniker Tabernaemontanus bereits ausführlich über die Anwendung der Heilpflanze: »Bei den Sachsen braucht es das gemeine Volk / denen so hoch hinuntergefallen / oder so sich sonst etwan mit Arbeyt verletzt haben: nemet eine Handt voll / sieden es in Bier / drincken des Morgents einen Trunck warmb davon / decken sich zu / und schwitzen…«

Im 18. Jahrhundert rühmte der Wiener Arzt Dr. Collin die antiseptische Wirkung der Arnika. In den Jahren 1771 bis 1774 hat er, seinen Schriften nach zu urteilen, mit Arnika mehr als 1000 Patienten vom Wechselfieber geheilt. Auch bei Lähmungen und schwarzem Star hatte er mit der Heilpflanze Erfolg.

Im Aberglauben des Volkes spielte die Arnika eine große Rolle. In Süddeutschland war sie im Kult der Sommersonnenwende eine wichtige Pflanze. Arnika steht um den Johannistag in voller Blüte. Zu dieser Zeit gepflückt hat die Pflanze ihre größte Heilwirkung.

Aus Arnika wurden Kränze geflochten und am Haus aufgehängt, um das Anwesen vor Blitzschlag zu schützen. In Mitteldeutschland wurde bei Gewitter getrocknete Arnika angezündet, und die Bäuerin sagte den Spruch auf: »Steckt Arnika an, steckt Arnika an, daß sich das Wetter scheiden kann.« In Süddeutschland und in Österreich wurde Arnika in Feldraine gesteckt, damit sie die Ernte schütze.

Auf die Heilkräfte der Pflanze beziehen sich viele Volksnamen. In der Mindener Gegend heißt sie »Stohupungohhen«, was etwa bedeutet »Steh auf und geh hin«, in Südtirol »Fallkraut«, im Ennstal »Wundkraut« und in Ostpreußen »Stichkraut«. Mancherorts wird die Arnika auch »Wohlverleih« genannt, was dahin gedeutet wird, daß die Arnika viele »Wohl verleihende« Eigenschaften besitzt.

Wo wächst Arnika?

Die Arnika wächst auf trockenem Moor, auf Waldwiesen und Gebirgs-wiesen sowie in Heidegegenden. Die Pflanze bevorzugt ungedüngten, humosen bis sandigen Boden, der zudem kalkarm sein muß. Wenn der Boden nicht zu mineralstoff- und kalkhaltig ist, läßt sich Arnika auch im Garten kultivieren.

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Die Heilpflanze ist ausdauernd, der Stengel 20 bis 40 Zentimeter hoch, drüsig behaart und trägt meist nur einen Blütenkopf. Die Blütenblätter sind sonnen- bis orangengelb, außen etwas behaart und zungenförmig, sie enden abgestumpft in drei kleinen Zähnchen. Erntezeit ist Juni/Juli, je nach Standort. Geerntet werden die Blüten, denen die größte Heilkraft zugeschrieben wird.

Die Blüten müssen im Schatten getrocknet werden, hinterher werden sie dann aus den Kelchen gezupft. Erntezeit für die Arnikawurzeln, die federkieldick und etwa fünf Zentimeter lang sind, ist das Frühjahr und der Herbst. Für gewerbliche Zwecke darf in der Bundesrepublik die Arnika nicht gesammelt werden, für den Hausgebrauch ist dies jedoch erlaubt.

Arnikatinktur für äußere Anwendung kann in Spiritus angesetzt werden, Tinktur zum Gurgeln und zur inneren Anwendung unbedingt in gutem Kornbranntwein. Mischungsverhältnis: Die Flasche bis zu drei Viertel mit getrockneten Arnikablüten füllen, dann die Flüssigkeit zusetzen. Die Flasche zwei Wochen lang in einem nicht zu hellen Raum abstellen und in dieser Zeit öfter leicht durchschütteln.

Arnikatinktur kann bei guter Lagerung mehrere Jahre lang aufbewahrt werden.

Zuletzt noch ein Tip für Verwundungen unterwegs, da Sie ja Ihr Fläschchen Arnikatinktur nicht immer dabei haben werden: Sollten Sie sich bei Ausflügen verletzen, dann gibt es noch eine weitere Heilpflanze, die bei offenen Wunden erstaunliche Wirkung zeigt.

Es ist der Spitzwegerich, ein Unkraut, das Ihnen auf Ihrem Wege beinahe auf Schritt und Tritt begegnet. Pflücken Sie sechs bis acht saubere Blätter dieser Pflanze, kneten Sie diese mit Ihren Fingern so lange, bis Saft zum Vorschein kommt, und träufeln Sie diesen auf die Wunde.

Video: Arnika – Heilpotenzial bei Schlaganfall und Multiple Sklerose

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