Adipositas bei Kindern und Jugendlichen – Was raten Kinderärzte?

Die Zunahme von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen ist ausgehend von anerkannten Studien nicht mehr von der Hand zu weisen. Die Fachärzte und Experten sind sich einig, dass die verhaltenspräventiven Ansätze nicht mehr vollständig ausreichen, um etwas gegen die adipogenen Lebensbedingungen auszurichten. Im Gegenzug werden verhaltenspräventive Maßnahmen notwendig, die durch die Politik und Gesellschaft initiiert werden müssen. Das haben viele wissenschaftliche Studien herausgefunden, wie zum Beispiel die Leitlinie der Prävention und Therapie der Adipositas.

Was raten Kinderärzte bei Adipositas?

Eines der wesentlichen Behandlungsgebiete in der Kinderheilkunde und im Fachbereich der Pädiatrie ist ein krankhaftes und deutliches Übergewicht, dass in der Fachsprache als Adipositas bezeichnet wird. Der Arbeitsalltag in der Praxis und die Aufgaben ausgehend von den Stellenangeboten der Pädiatrie umfassen vielseitige Tätigkeiten, die ein Kinderarzt übernehmen muss.

Es ist eben nicht ausreichend, ein Kind auf Diät zu setzen und einfach ein paar Lebensmittel vom Speiseplan zu streichen. Gefragt ist gesundheitsförderndes Bewegungs- und Ernährungsverhalten über Monate und Jahre hinweg. Die Basis für eine Therapie aus der Adipositas hin zu einem gesunden Gewicht ist eine individuelle Beratung zur gesunden Ernährung sowie die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, indem Kalorien und Fett reduziert werden. Darüber hinaus setzen die Kinderärzte beim Verhalten der kleinen Patientin an. Neu erlernt werden die Ernährungsweise, das Sättigungsgefühl und der Hunger. Im Gegenzug geht es um Stressabbau, und um darum Essstörungen zu vermeiden. Darüber hinaus gehört regelmäßige Bewegung zum Alltag der Kinder.

Die Eltern werden in der Therapie zum Vorbild, die keine Verbote aussprechen, sondern gesunde Alternativen aufzeigen. Sie stellen einen Familien-Speiseplan auf und kochen die Lieblingsgerichte der Kleinen in kalorienreduzierter Form. Wenn der Heißhunger kommt naschen die Kinder keine Schokolade oder Chips, sondern Gemüsestreifen, Obst und ein paar Gummibärchen. Es geht um den bewussten Umgang mit Lebensmitteln und darum, zu erfahren, wie sich das Sättigungsgefühl anfühlt.

S3 Leitlinie zur Therapie von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Heute haben 40 Experten aus 60 Fachgesellschaften, Organisationen und medizinwissenschaftlichen Berufsverbänden die sogenannte S3 Leitlinie entwickelt. Die Basis dafür bildete die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kinder und Jugendalter sowie die deutsche Adipositas-Gesellschaft. Es geht in erster Linie um eine gezielte Schulung und Anleitung aller betroffenen Familien und Kinder. Auf dem Prüfstand stehen der persönliche Lebensstil und eine spezielle multimodale Adipositas-Therapie.

Besonders wichtig ist der Ansatz der Schulung der Kinder im Grundschulalter direkt in den Familien. Ausgehend von der 80-seitigen Leitlinie sind die Therapieeffekte aber vergleichsweise gering und entsprechen oftmals nicht den Erwartungen, die Betroffene im Hinblick auf diese Studie haben. Die Therapie empfiehlt eine ambulante Behandlung vor der stationären. Heute gibt es also zu wenig Plätze, bei denen sich ambitionierte Konzepte umsetzen lassen, in denen ein Kind im Freundeskreis, in der Familie und in der Schule leben sollte.

Übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche sollten nicht aus Langeweile naschen und essen, sondern sich tagtäglich draußen an der frischen Luft bewegen und spielen. Gerade die Freude an der Bewegung muss z. T. neu erlernt werden. Da gehört einiges an Motivation, Unterstützung und Lob mit dazu. So ist die Adipositastherapie oftmals auch eine Herausforderung für die ganze Familie.

Ambulante Therapie und Erfolgsaussichten bei Adipositas

Heute werden die ambulanten Angebote und Therapiemöglichkeiten nur zögerlich von den Krankenkassen finanziell unterstützt. Die Forderung wird laut nach bundesweiten Schulungen für Familien und junge Kinder. So betonen die Wissenschaftler in der S3 Leitlinie, dass den Betroffenen ein freier Zugang zu dem Angebot und Programm der Schulung möglich sein soll. Das betrifft insbesondere den ländlichen Bereich, bei dem die Adipositas bei Kindern häufiger auftritt als in der Stadt.

Martin Wabitsch gehört unter anderem zu den Autoren der Leitlinie zur Adipositas. Er lässt bedenken, dass Jugendliche mit extremer Adipositas deutlich geringere Erfolgsaussichten haben, als es bei den jüngeren Kindern der Fall sei. Aus diesem Grund benötigen spezielle Gruppen auch erneuerte Konzepte für die Therapien. Das geht auch aus den Erläuterungen der DGKJ-Präsidentin Ingeborg Krägeloh-Mann hervor und ihrer umfangreichen Cochrane-Ana­lyse.

Heute können Empfehlungen für die Entscheidungsträger weitergegeben werden, die auf Wissenschaft basieren. Zu guter Letzt soll die Studie deutlich machen, dass Adipositas das Resultat eines Lebensstils in der heutigen Gesellschaft ist. Nur durch die gründliche Umstellung dieses Lebensstils und durch die neuen Leitlinien soll es möglich sein, den Weg zu einem gesunden Gewicht und Lebensstil zu schaffen.

Adipositas ist eine Herausforderung für das gesamte Umfeld und die Familie, die Kinder und die Jugendlichen, sich von alten Gewohnheiten zu lösen und das gesunde Essen und bewegen neu zu erlernen. Wer diese Herausforderung annimmt, verbessert die Lebensqualität und das Selbstwertgefühl innerhalb der Familie. Von daher lohnt es sich, in schwierigen Fällen mit Fachleuten zusammen zu arbeiten und dem eigenen Kind den Weg hin zu einem gesunden und bewegungsstarken Leben zu zeigen.

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